Abschied und Wiedersehen

Wie doch die Zeit vergeht. Die Zeit ist nur so verflogen, ein Jahr ist schon um und es hieß Abschied nehmen. Abschied, von all dem, was nun für ein Jahr zu meinem Leben gehört hat, was für ein Jahr mein Leben war. Ein Abschied, bei dem ich nicht weiß, ob für immer, oder ob ich noch einmal die Möglichkeit haben werde all dies wiedersehen zu können.

Der Abschied von meiner Gastfamilie, meinen Freunden, den Lehrern, meinen Schülern und den Waisen. So viele Menschen habe ich in diesem Jahr kennen und lieben gelernt und es fiel mir unendlich schwer mich von ihnen auf unbestimmte Zeit zu trennen. Doch nicht nur der Abschied von meinen Mitmenschen viel schwer. Ich habe mich in dem einen Jahr so sehr an die ghanaisch Kultur, das ghanaische Leben, das Klima, ja einfach an das gesamte Land gewöhnt, welches mit Deutschland wirklich nicht zu vergleichen ist. Ich möchte fast sagen, ich habe für ein Jahr in einer Parallelwelt gelebt und nun sollte ich diese verlassen. Es kam mir und kommt mir auch immer noch wie ein Traum vor.

Während der letzten zwei Wochen stand mir nun ein Abschiedsmarathon bevor. Zu aller erst musste ich mich von Madame Vic, der Besitzerin des Miracle Brain School Complex, der Schule, an der ich nun ein Jahr unterrichtet hatte, verabschieden. Schon zwei Wochen bevor wir Nalerigu verließen ist sie zu ihrer Familie nach Accra gefahren. Madame Vic hat sich immer sehr lieb um uns gekümmert, wie eine zweite Gastmutter war sie für mich. Ich hatte ihr einen frühen Geburtstagskuchen gebacken, denn ihren Geburtstag eine Woche später würde sie in Accra verbringen. Sie war total überrascht und hat sich riesig gefreut.

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Zwei Tage vor unserer Abreise sind wie abends bei Pastor Joseph und seiner Familie zu einem afrikanischen Essen eingeladen gewesen. Nach den leckeren Rice Balls mit Groudnut Soup haben wir unsere schriftliche Beurteilung bekommen. Als ganz persönliches Andenken hat uns die Familie ein Kleid schneidern lassen. Es war eine riesige Überraschung und ich habe mich total gefreut. An unserem letzten Tag haben wir unsere neuen Kleider auch gleich noch einmal angezogen und stolz vorgeführt. All waren total begeistert.

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Der Abschied von den Waisen. An unserem letzten Samstagvormittag haben wir uns mit ihnen anders als normalerweise nicht am Haus von Pastor Joseph, sondern auf dem Schulhof getroffen. Wir haben eine Slackline aufgebaut und einige kleine Wettkampfspiele gespielt. Mit Sackhüpfen, Wettlaufen und Eierlauf hatten wir viel Spaß. Für mich ist es immer besonders schön zu sehen, wie sehr die Kinder mitfiebern können und ihre Freunde anfeuern. Sie waren mit so viel Begeisterung dabei, dass ist einfach ansteckend und total schön. Zum Abschluss haben wir noch Topfschlagen gemacht und so hat jedes Kind zum Abschied noch ein kleines Tütchen mit Süßigkeiten, einem Getränk, Bleistift, Leuchtarmbändern und Stickern bekommen.

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Nach diesem Samstag hatten wir noch zwei weitere Tage mit den Waisen.

Dienstag und Mittwoch. Am Mittwoch haben wir ihnen zum endgültigen Abschied eine Collage mit Fotos von ihnen und uns überreicht.

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Über diese kleine Erinnerung haben sie sich sehr gefreut und der Abschied fiel uns allen unglaublich schwer.

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Keiner wollte an diesem Tag nach Hause gehen und erst als es schon dunkel wurde trennten wir uns gezwungener Maßen schließlich schweren Herzens.

Am unserem letzten Sonntag sind wir vormittags mit unserer Gastfamilie zur Kirche gegangen. Noch ein letztes Mal habe ich den mir mittlerweile vertraut gewordenen, energiegeladenen, von Musik, Tanz und lautem Beten geprägten Gottesdienst genossen. An diesem Sonntag war auch die Namenszeremonie von Freunden der Familie und nach dem Gottesdienst besuchten wir gemeinsam mit unser Gastmutter das Neugeborene und ihre Mutter. Auf dem Nachhauseweg machten wir dann noch einen Abstecher zu Onkel Stevens, dem ältesten Bruder von Babys Mann, um uns auch von ihm zu verabschieden.

Am späten Sonntag Nachmittag hat mich mein guter Freund Hadi zu einem Ausflug abgeholt. Hadi ist ein netter Kerl, kennt unendlich viele Geschichten und abends im Laden meiner Gastmutter haben wir uns immer sehr nett unterhalten. Und so hat er mir einen Abend eine Geschichte über eine Mauer erzählt, die sein Urururgroßvater König Naa-Dzaringa im 16. Jahrhundert hat erbauen lassen. Ich hatte schon im Reiseführer von der Existenz der Mauer erfahren, aber Teresa und ich konnten sie bei unseren Streifzügen durch Nalerigu nie finden. Hadis Urururgroßvater war einst König vom Mamprusi Stamm und hatte seinen Sitz in Nalerigu. Sein einziger Sohn war auf einem Auge blind und konnte nach dem Brauch dieses Stammes auf Grund dieser körperlichen Behinderung nicht seine Nachfolge antreten. Als also klar wurde, dass der Königstitel an eine andere Familie abgetreten werden muss, beschloss Naa-Dzaringa eine Mauer rund um Nalerigu erbauen zu lassen, um ein Andenken an seine Zeit als Herrscher zu hinterlassen. Erbaut wurde die Mauer laut Legende nur aus Milch, Honig und Shea-Butter. Auch alle zu langsamen Sklaven wurden nach der Überlieferung mit eingemauert.

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Am Dienstag haben wir in der Schule zum Abschluss mit den Schülern und Schülerinnen aus dem Müllprojekt unser Plakat aufgehangen. So haben nun auch alle Anderen die Möglichkeit, etwas über Müll, Umweltverschmutzung, Plastik und mögliche Maßnahmen dagegen zu erfahren. Auch haben wir ihnen Urkunden verteilt, zur Erfolgreichen Teilnahme am Projekt.

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Nachmittags wurden wir von der Schule offiziell verabschiedet. Alle Schüler aus Teresas und meiner Klasse waren da und die ganzen Lehrer. Es wurden viele nette Sachen gesagt, sowohl von Lehrern als auch von den Schülern. Wir haben gemeinsam gegessen und viele Abschiedsfotos geschossen – natürlich in unseren neuen, maßgeschneiderten Kleidern, die uns die Schule zum Abschied geschenkt hat.

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Am nächsten Tag, Mittwoch, habe ich mich noch einmal alleine von meiner Klasse verabschiedet.Ich habe Kuchen verteilt, mich für die wirklich sehr schöne, lehrreiche Zeit bedankt, noch ein paar Fotos gemacht und schließlich war es Zeit für mich zu gehen. Doch zuvor haben sie noch zwei Abschiedslieder für mich gesungen. Ich war sehr gerührt von dieser kleinen Geste. Vor allem, weil sie es ganz spontan und alleine entschieden hatten.

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Mittwoch Abend haben wir innerhalb er Gastfamilie noch ein letztes Mal gemeinsam gegessen. Verabschiedet haben wir uns am nächsten Morgen, als wir von William mit dem Auto abgeholt wurden und nach Tamale fuhren. Es flossen einige Tränen und der Abschied viel mir unendlich schwer!

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Von Tamale aus sind wir mit dem Bus nach Accra gefahren, wo wir noch zwei schöne Tage bei Susanne und Vincent verbrachten, bevor es am 29. Juni abends mit dem Flieger zurück nach Deutschland ging.

Am Flughafen wurde ich von meiner Familie abgeholt und ich habe mich riesig über das Wiedersehen gefreut! Nun bin ich seit einer Woche wieder hier. Richtig eingelebt habe ich mich noch nicht und ich schätze, es wird auch noch eine Weile dauern. Zwischen Ghana und Deutschland liegen einfach Welten und so sehr wie ich mich an Ghana gewöhnt hatte, kommt mir das Leben hier momentan vor wie in einem Traum. Das Wiedersehen von Familie und Freunden macht mir die Ankunft in dieser Parallelwelt leichter!

Und so habe ich Ghana mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Ähnlich ging es mir auch schon vor einem Jahr, als ich in Deutschland Abschied nehmen musste.

An dieser Stelle möchte ich nun noch einmal Danke sagen.

Danke an evivo e.V., vor allem an meine Mentorin Stephanie, für die gute Vorbereitung und vor allem auch für die gute und intensive Begleitung während des Jahres!
Danke auch an meine Familie und an meine Freunde für eure Unterstützung! Ohne euch hätte ich es nicht geschafft!
Auch möchte ich mich bei all den Menschen in Ghana bedanken, die dieses Jahr für mich unvergesslich gemacht haben. Ich hatte eine unglaublich schöne, ereignisreiche Zeit und durfte unglaublich viele neue Erfahrungen sammeln. Ich werde dieses Jahr in wunderbarer Erinnerung behalten.

Hoffentlich werde ich bald die Möglichkeit haben, auf einen Besuch zurück nach Ghana zu fliegen. So schön es auch in Deutschland ist, die Menschen, das Land, das ghanaische Leben, all dass fehlt mir schon jetzt.

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Besuch bei Amishetu in Gbintiri

Endlich war es so weit. Einen Monat nach ihrer Hochzeit haben Teresa und ich uns auf den Weg nach Gbintiri gemacht um Amishetu zu besuchen.

Am Montag machten wir uns, für mich nach nur 4 Stunden Schlaf (der kurzfristige Wunsch nach einem Geburtstagskuchen war Grund dafür, dass ich gemeinsam mit meiner Gastmutter die halbe Nacht gebacken habe…), in aller Frühe auf den Weg zur Trotro Station, wo gegen 6 Uhr unser Trotro nach Gbintiri losfuhr.

Gbintiri ist sehr traditionell, ziemlich weit im Busch gelegen und hat einmal die Woche einen relativ großen Markt. So auch diesen Montag. Das Trotro war dementsprechend voll bepackt mit vielen Menschen, Nahrungsmitteln und Schafen, Ziegen und Hühnern – sowohl im Auto, als auch auf dem Auto. Kurz nachdem wir hier in Nalerigu losgefahren sind zog ein Sturm auf und es begann aus allen Eimern zu schütten. Nun hielten wir das Erste Mal an, damit sich alle auf dem Dach mit Plastikplanen vor dem Regen schützen konnten. Auf der wirklich schlechten Straße ging es nun im Schneckentempo immer weiter nach Gbintiri. Die vielen Schlaglöcher füllten sich mit Regen und das Auto schwankte angst einflößend. Als dann auch noch eines der Schafe vom Dach viel war es mit meiner inneren Ruhe so langsam vorbei.Aber nach mir unendlich lang vorkommenden 3 Stunden kamen wir heile an und mit unserer Ankunft hörte es auch auf zu regnen. Nun strömten alle Menschen aus ihren Lehmhütten und eilten zum Markt. Das kleine Dörfchen wirkte innerhalb von kürzester Zeit unglaublich geschäftig und gar nicht mehr verschlafen. Und zugegeben, so klein ist Gbintiri auch gar nicht. Aber es ist sehr weit im Busch gelegen, sehr ländlich, sehr traditionell und nicht besonders weit entwickelt.

Die Menschen leben von der Landwirtschaft. Die Häuser stehen weit auseinander, dazwischen reihen sich die Felder aneinander. Doch dieses Jahr waren die Felder noch unberührt. Es fehlt der Regen. Letztes Jahr um diese Zeit hatten sie schon alles angebaut, dieses Jahr noch nicht einmal angefangen. Und nicht nur für die Farmarbeit fehlt das Wasser. Auch Wasser zum Kochen, trinken, waschen und duschen ist knapp.

Nach unserer Ankunft wurden wir von Amishetu abgeholt und sind gemeinsam zu ihrem Haus gegangen, welches ungefähr 15 Minuten vom Markt entfernt direkt neben der sich noch im Rohbau befindenden Kirche ihres Mannes, ansonsten nur von Feldern umgeben, liegt. Ich finde, es ist ein schönes Haus, wenn auch sehr einfach. Als ich dies gegenüber Amishetu erwähnte war sie sehr überrascht. Doch ich finde, die hellen Strohdächer der im Kreis angeordneten runden und eckigen Lehmhütten mit einem kleinen Hof in der Mitte, den Hühnern und dem schattenspendenden Unterstand sowie ihrem Brunnen vor dem Haus, all dass strahlt ein gewisses Flair aus und von Anfang an habe ich mich sehr wohl gefühlt.

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Für immer könnte ich unter so einfachen Bedingungen wohl trotzdem nicht leben. Denn neben Wasser stellt auch der Strom ein Problem da. Neben der Tatsache, dass es sich viele Leute nicht leisten können ist das Stromnetz in einem Dorf wie Amishetus einfach nicht gut genug ausgebaut. So ist Amishetu wie viele andere Häuser auch nicht direkt ans Stromnetzwerk angeschlossen, sondern über mehrere andere Nachbarhäuser mit dem Netzwerk verbunden. Was dann noch bei ihr im Haus ankommt reicht gerade mal für eine Lampe und einen winzigen Fernseher; aber auch nur nacheinander. Gleichzeitig kann man es nicht nutzen. Da ist nur zu hoffen, dass es bald ausgebaut wird.

Nach einem späten Frühstück sollte sich zeigen, dass Teresa und ich diejenigen sein würden, die in den nächsten Tagen kochen sollten – und zwar ghanaisch und auf offenem Feuer.

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Unter Amishetus Anleitung lernten wir Reis mit Stew, Banku mit Groundnut Soup, Fufu mit Light Soup und Goba zuzubereiten. Das Zubereiten von afrikanischen Gerichten ist in unserer Gastfamilie bisher leider immer etwas zu kurz gekommen, da es eigentlich immer Aufgabe meiner Gastschwester ist zu kochen. Und die hat keine Zeit und keine Lust uns anzulernen. Da Amishetu jedoch noch keine Tochter hat der sie das Kochen beibringen muss sind wir für die drei Tage in diese Rolle geschlüpft. Ich fand dass total klasse. Nun kann ich auch zurück in Deutschland einige ghanaische Gerichte zubereiten. Gerade in der Anfangszeit nach meiner Rückkehr werde ich einige dieser Gerichte bestimmt vermissen. Vielen Dank Amishetu, dass du mir diesen Teil der ghanaischen Kultur näher gebracht hast!

Danach haben wir uns auf den Weg zum Markt gemacht und viele Eindrücke vom ländlich, traditionellen Charakter von Gbintiri sammeln können. Auch für Amishetu war dies der erst Marktbesuch seitdem sie vor einem Monat nach ihrer Hochzeit hierher gezogen ist. Noch immer ist sie dabei sich einzuleben und es ist nicht leicht für sie. Denn in dem Dorf leben viele Menschen, aber nur wenige von ihrem Stamm. Die meisten sprechen eine andere Sprache und haben zum Teil auch ganz andere Traditionen. Sie ist also ganz und gar damit beschäftigt, diese Dinge zu erlernen. Ich kann gut nachempfinden wie sie sich fühlen muss, denn auch für mich waren die neue Sprache und die anderen Traditionen der Mamprusi nicht leicht zu lernen und immer noch stellt es oft ein Hindernis und eine Schwierigkeit für mich da. Ihr Mann stammt vom selben Stamm ab wie Amishetu, kann aber auch die Sprachen der anderen Stämme und wurde so als Pastor in dieses Dorf versetzt.

Auf dem Markt angekommen herrschte geschäftiges Treiben und ich war überrascht vom Ausmaß. Er ist nur einmal die Woche, aber viel größer als bei uns in Nalerigu. Von allen umliegenden, kleinen Dörfern, so auch von Nalerigu kommen die Menschen um ihre Ware zu verkaufen. Von Kühen, Schafen, Ziegen und Hühner, über Einzelteile für jeglichen fahrbaren Untersatz, Kleidungsstücke, Stoffe, bis hin zu so ziemlich allen Lebensmitteln die das ghanaische Herz begehrt kann man dort tatsächlich alles kaufen.

Nach unserer Rückkehr haben wir uns ein wenig ausgeruht, gekocht und schließlich sind wir nach einer Eimerdusche ziemlich früh und ziemlich erschöpft auf den Lehmboden der einen Lehmhütte mit Licht, aber ohne Ventilator gefallen. Auf den Lehmboden stimmt nicht ganz, wir haben eine Matratze bekommen. Amishetu und ihr Mann waren sehr besorgt, dass sie uns nicht genügend bieten konnten. Doch für mich war es vollkommen ausreichend und ich habe die Zeit mit ihnen sehr genossen. So lieb hat sich vor allem Amishetu um uns gekümmert, dass der Abschied wirklich schwer gefallen ist.

Doch noch war es nicht so weit. Nach meiner ersten Nacht im Lehmhaus und einer Eimerdusche haben wir gefrühstückt und schließlich an der allmorgendlichen Bibelstunde von Amishetu und ihrem Mann teilgenommen. Jeden Morgen lesen sie in einem Buch der Bibel ein Kapitel, reden darüber und versuchen so, Gott und seinem Wort näher zu kommen.Im Anschluss haben wir den Morgen damit verbracht, unter dem schattenspendenden Unterstand vor ihrem Haus das traditionelle Spiel O`Wari zu spielen.

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Schnell war der Morgen um und es wurde schließlich Zeit Wasser aus dem Brunnen heraufzuziehen, um Mittagsessen kochen zu können.

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Nachmittags haben wir das Dorf erkundet, Fotos geschossen, viel geredet und gefaulenzt, bis es schließlich schon wieder ans Kochen ging. Ursprünglich hatten wir geplant, nur für eine Nacht zu bleiben. Kurzfristig wurden unsere Pläne jedoch geändert, denn an diesem Tag fuhr kein Trotro zurück nach Nalerigu. Also blieben wir kurzer Hand noch eine Nacht. Am nächsten Morgen, nach Frühstück, Eimerdusche und Bibelstunde haben wir ein uns afrikanisch angezogen und sind gemeinsam mit Amishetu auf der Suche nach den Zutaten für unser Mittagessen durch das Dorf geschlendert. Die Leute haben uns noch mehr angestarrt als normalerweise. Denn nun waren es nicht nur zwei Weiße mitten im Busch. Nein, es waren zwei Weiße, die sich auf afrikanische Art und Weise gekleidet hatten.

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Wieder zurück im Haus und nach einem köstliche Mittagessen, heute gab es Goba bestehend aus Mais- und Bohnenmehl, neben Fufu eines der Gerichte, das ich am meisten vermissen werde, hieß es dann auch schon Abschied nehmen. Und der ist keinem von uns leicht gefallen, haben wir die drei Tage doch alle sehr genossen. Zum Abschied haben wir von Amishetu einen Stoff geschenkt bekommen, damit wir sie nicht vergessen werden. So eine Liebe. Aber ob mit oder ohne Stoff: Vergessen werde ich die Gute auf keinen Fall.  Ich habe mich riesig gefreut, sie noch einmal wieder sehen zu können bevor es nun in wenigen Wochen für mich zurück nach Deutschland geht.

Ähnlich wie die Hinfahrt war auch die Fahrt zurück nach Nalerigu nicht ganz ohne Vorkommnisse.Das Trotro, welches uns zurück nach Nalerigu bringen sollte kam aus einem hinter Gbintiri liegenden Dorf und war voll beladen. Denn auch dieses Trotro kam vom Markt und brachte Menschen und Waren zurück zu ihren Dörfer. In meinem Fußraum waren Ziegen und Schafe, mein Sitznachbar war ein Huhn, auf meinen Schoß wurde ein kleines Kind gesetzt, das mich die ganze Fahrt über vollkommen verwundert über meine Hautfarbe anstarrte. Die Straße war ohne das viele Regenwasser etwas besser zu befahren und trotzdem brauchten wir sehr lange. Ein Umweg über abseits liegende Dörfer, das ständige anhalten und langwierige Ausladen der Waren nahm viel Zeit in Anspruch. Und einen Ort vor Nalerigu mussten wir dann auch noch alle aus mir unerfindlichen Gründen das Trotro wechseln. Alle sollten wir umsteigen, in ein im Vergleich zum ersten viel kleineres. Und so wurden wir alle übereinander gestapelt in dieses Trotro gestopft und das ganze Gepäck wurde umgeladen. Ich war einfach nur froh, wenn auch spät und ziemlich erschöpft, aber ansonsten gesund und munter, dankbar für das Wiedersehen mit Amishetu, endlich in Nalerigu anzukommen.

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Wie doch die Zeit vergeht

Wie doch die Zeit vergeht. Mit Schrecken habe ich gerade festgestellt, dass nun schon Anfang Juni ist. Nur noch 4 Wochen! Am 28. Juni werde ich abends in Accra in den Flieger steigen, am 29. morgens zum ersten Mal seit einem Jahr wieder deutschen Boden betreten. Mit einem Lachen im Gesicht denke ich an die vergangene Zeit zurück. Ich habe meine Zeit hier genossen und versuche auch die letzten vier Wochen noch zu genießen – was nicht leicht ist, wenn jeden Tag jemand von Abschied spricht.  Denn daran will ich im Moment eigentlich noch nicht denken. Noch bin ich hier.

Ich weiß, dass seit meinem letzten Blogeintrag nun schon einiges an Zeit vergangen ist. Die Wochen und Monate sind nur so dahin geflogen und es ist einiges passiert. Ich werde nun versuchen euch einen kleinen Einblick in die Ereignisse der vergangenen nun fast schon 5 Monate seit meinem letzten Eintrag zu geben.

Mitte Februar sind Teresa und ich für eine Woche nach Kumasi zu einem Zwischenseminar für Freiwillige in westafrikanischen Ländern gefahren. Die meisten der insgesamt 20 am Seminar teilnehmenden Freiwilligen kamen aus Ghana, es kamen aber auch zwei aus Togo und jeweils eine Freiwillige aus Burkina Faso und Nigeria angereist.

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In dieser Woche hatte ich das Glück einen unglaublich tollen Austausch zu Erfahren. Alle Freiwilligen hatten in ihren ersten Monaten schon unfassbar viel erlebt und alle hatten dementsprechend viel zu erzählen. Ich fand es toll, dass wir als Freiwillige die Möglichkeit hatten gemeinsam das Programm zu gestalten. Was uns wichtig war wurde thematisiert. Ich habe vieles über die anderen Einsatzstellen und anderen Regionen beziehungsweise Länder erfahren. Ich habe durch die anderen Freiwilligen neue Sichtweisen zu bestimmten Situationen und Problemen kennenlernen dürfen und gemeinsam wurden für unsere ganz speziellen Probleme nach Lösungen gesucht. Man hat immer ein offenes Ohr gefunden, alle waren interessiert und sehr hilfsbereit und auf einen intensiven Austausch aus.

Für mich persönlich war es total interessant zu sehen, wie viele kulturelle Unterschiede es schon alleine innerhalb von Ghana gibt. Was die Freiwilligen in ihrer Region an kulturellen Dingen erfahren haben war größtenteils noch einmal sehr verschieden zu dem, was ich bisher erleben durfte. Und im Vergleich dazu haben wir dann natürlich auch noch eine Menge über Nigeria, Burkina Faso und Togo erfahren dürfen. Spannend und ich bin dankbar dafür, dass mich meine Entsendeorganisation evivo e.V. für dieses Zwischenseminar angemeldet hat und mir so der Austausch mit anderen Freiwilligen ermöglicht wurde!

Alleine habe ich mich nach dieser Woche dann auf den Heimweg hoch in den Norden Ghanas nach Nalerigu gemacht. Teresa hat Besuch aus der Heimat bekommen und sich mit ihren Geschwistern in Accra getroffen.

Ich war trotz der schönen Zeit auf dem Seminar froh wieder zu Hause zu sein. In der kurzen Zeit hatte ich Gastfamilie, die Kinder und natürlich meinen Hund schon ein wenig vermisst. Zurück in Nalerigu ist die Zeit seit dem Seminar dann auch nur so verflogen.

Erst einmal hat mir meine Gastmutter an zwei Abenden Motorrad fahren beigebracht. Es ist tatsächlich nicht besonders schwer. Wie hier alle zu sagen pflegen: Wer Fahrrad fahren kann, kann auch Motorrad fahren! 😀

Viel Zeit verbringe ich damit gemeinsam mit meiner Gastmutter Muffins, gefüllte Teigtaschen und Brötchen zu backen, was sie dann in ihrem Laden verkauft. Auf Anfrage backen wir auch Geburtstagskuchen und Hochzeitstorten. Gemeinsam haben wir viel Spaß. In der Küche wird viel gelacht und es wird einfach nicht langweilig.  Erst vor kurzem haben wir wieder eine vierstöckige Hochzeitstorte gebacken. Dass bedeutet immer viel Arbeit, viel zu kurze Nächte und ganz viel Spaß. Während backen und kochen kommt das singen und tanzen zu afrikanischer Musik nämlich auf keinen Fall zu kurz!

Leider ist in der Zeit nach dem Zwischenseminar auch etwas unerfreuliches passiert. Von der Kochstelle beim Haus des Pastors ist Feuer auf den Schrank übergesprungen, indem wir die Spielsachen und die Gesundheitskarten der Waisenkinder aufbewahren. Einiges ist verbrannt, wir konnten aber glücklicherweise auch einen Teil der Sachen retten und einen neuen Schrank haben wir mittlerweile auch organisiert.

Ende März kam dann auch schon Stephanie aus Deutschland zu Besuch. Wie immer war es schön mal wieder Besuch zu bekommen, ein bekanntes Gesicht zu sehen und einfach ein bisschen mit jemandem quatschen zu können den ich nicht jeden Tag sehe. Eine schöne Abwechslung und sicherlich auch hilfreich, denn mit ihrer Hilfe konnten noch mal einige Dinge verbessert werden. Doch schnell verflogen auch diese beiden Wochen und es ging für sie zurück nach Deutschland.

Am 23. April haben wir ein letztes Mal vor Ende des Schuljahres Schulferien bekommen. In den Ferien sind wir vormittags zu den Waisenkindern gegangen und vor allem bis zum 2. Mai haben wir fleißig singen geübt, denn unser Chor hatte am 2. Mai einen ganz großen Auftritt auf Amishetus Hochzeit. Aber auch mit Paper Folding (Origami), Slack lining, Malen und Zeichnen, Karten spielen, Volley Ball und Fußball sowie dem Basteln von Armbändern verbrachten wir die Vormittage.

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Durch Amishetus Hochzeit habe ich noch einmal einen ganz besonderen Einblick in die afrikanische, speziell in die ghanaische Kultur bekommen. Auch zuvor war ich schon zu Hochzeiten eingeladen und ich habe das sehr lebhafte, bunte und freudige Fest jedes Mal genossen. Doch dieses Mal war es meine Freundin die geheiratet hat und ich durfte alles hautnah miterleben. Dieses Mal war es heiraten auf ghanaisch pur!

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Es begann mit Amishetus Hochzeitskleid. Teresa und ich halfen Sister Joyce beim Nähen ihres Kleides! Auch mir wurde ein ganz spezielles Kleid extra für die Hochzeit genäht. Üblich hier ist dass das Brautpaar einen Stoff aussucht, aus dem sich alle Familienmitglieder und der engere Freundeskreis etwas extra für die Hochzeit nähen lassen. Man kann es als Zeichen der Zusammengehörigkeit und des Zusammenhalts sehen. Auch Amishetu und ihr Mann hatten einen Stoff ausgesucht und Sister Joyce nähte mir kurzer Hand ein schönes, sommerliches Kleid. Am Abend vor der Hochzeit wurde von Freunden und Familie stundenlang gekocht. Das Essen, dass am nächsten Tag nach der Trauung an die Gäste verteilt werden würde. Am Tag der Hochzeit sind Teresa und ich früh morgens zu dem Haus gefahren, wo Amishetu die Nacht vor ihrem großen Tag verbracht hatte und gemeinsam mit ihren Brautjungfern zurecht gemacht wurde. Sie wurde geschminkt, ihre Haare hochgesteckt und schließlich wurde ihr beim Anziehen des Hochzeitskleides geholfen. Jeder einzelne Schritt, Haare und Make-up, das Anziehen des Kleides und das Aufsetzen des Schleiers wurde von einem Gebet begleitet. Alles wurde gefilmt und fotografiert.  Schließlich ging es im festlich geschmückten Auto zum ebenso festlich geschmückten Platz, auf dem wir, vor allem natürlich das Brautpaar, von den vielen fröhlich tanzenden und singenden Gästen herzlich empfangen wurden! Es ist herrlich mitanzusehen, wie lebendig, mit wie viel Freude, Energie und Lebensmut die Menschen singen, tanzen und beten können. In ihren prachtvollen, bunten Kleidern tanzen sie schon mehrere Stunden bevor das Brautpaar endlich ankommt. Und bisher war dies auf allen Hochzeiten wo ich Gast war mit viel Verspätung. Amishetu kam beispielsweise 2 Stunden später als auf der Einladung angekündigt. Aber niemand beschwert sich. Man verbringt die Zeit nicht mit Warten, sondern mit tanzen! Nach dem Einlauf der Braut wird gebetet, das Paar getraut , Ringe werden ausgetauscht, Dokumente unterschrieben, Geschenke überreicht und vor dem Abschlussgebet noch einmal gesungen und getanzt. Und neben einigen anderen Gruppen hatten nun auch die Waisenkinder ihren ganz großen Auftritt. Wir haben zwei Lieder gesungen, eins in Englisch und eins in Mampruli. Wir hatten viel Spaß, es hat gut geklappt und wurde von den Gästen sehr gut aufgenommen. Sie sind aufgestanden, haben mitgesungen und getanzt. Schön ist es vor allem für die Kinder in dieser Form eine so positive Rückmeldung zu bekommen. Und sie haben es wirklich gut gemacht! Danach ging die Hochzeit auch schon dem Ende zu. Nach dem Abschlussgebet wurde das am Vorabend gekochte Essen an die Gäste verteilt, es wurden eine Menge Fotos gemacht und schließlich ging es für alle nach und nach zurück nach Hause. Und mit dem Ende der Hochzeit ging auch leider unsere Zusammenarbeit mit Amishetu einem Ende zu. Denn Amishetu ist nun in das Dorf ihres Mannes gezogen. Schade. Die Zusammenarbeit hatte in den letzten Monaten doch immer mehr Spaß gemacht und wir haben uns gut verstanden. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, viel gelacht und gerade bezüglich singen und tanzen war sie die treibende Kraft. Ich, nein, ich denke wir alle, werden sie sehr vermissen. Doch ich denke bevor Teresa und ich zurück nach Deutschland fliegen werden wir sie auf jeden Fall noch einmal besuchen! Nun wird Roda, Mitglied in Pastor Josephs Kirche, mit uns arbeiten.

Am 11. Mai hat dann die Schule wieder angefangen. In der Schule möchte ich noch ein bereits vor den Ferien geplantes Projekt, das „Müllprojekt“ umsetzen. Als ich vor nun ungefähr 10 Monaten hier angekommen bin ist mir eine Sache zu Anfang besonders negativ aufgefallen, besonders ins Auge gestochen: hier fliegt überall Müll herum und in der Luft liegt permanent der Geruch nach Abfall, vor allem nach verbranntem Plastik. Es gibt zu viel und er wird nicht richtig entsorgt. Relativ schnell wurde dieser Zustand für mich zur Normalität. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich es nicht mehr bewusst wahrgenommen habe. Es gehörte für mich dazu, bis mich Ende Dezember meine Familie aus Deutschland besuchen gekommen ist. Für sie waren die sich überall häufenden Müllberge, der herumfliegende Müll geradezu erschreckend anzusehen und auch der in der Luft liegende Geruch nach Abfall fiel ihnen sofort auf. Ihre doch recht starke Reaktion darauf und ihre ständigen Bemerkungen zu diesem Thema haben mich aufgerüttelt und mir wurde wieder bewusst, welch großes Problem der viele Müll darstellt. Schließlich entstand die Idee, dass wir in der Schule anfangen könnten gegen dieses Problem anzugehen.  Teresa und ich haben uns überlegt, dass man Mülltonnen aufstellen müsste und in einer kleinen Arbeitsgemeinschaft anfangen könnte ein Bewusstsein für die Schädlichkeit von Müll für uns und unsere Umwelt zu schaffen und auch kleinere Recyclingprojekte durchführen könnte. Denn wir finden es wichtig zu wissen, dass Müll nicht gleich Müll ist. Als wir diesen Gedanken in der Schule angesprochen haben stießen wir bei der Besitzerin der Schule, Madame Vic, und beim Schulleiter auf große Begeisterung und mir viel Engagement wurden fast sofort einige große Mülltonnen für den Schulhof organisiert und aufgestellt. Schon jetzt finde ich, dass der Schulhof viel sauberer aussieht. Als nächstes haben wir Schüler für unsere Arbeitsgruppe gesucht. Wir haben uns schließlich dafür entschieden, mit 20 Schülern anzufangen – am liebsten hätten (fast) alle mitgemacht! Vergangenen Freitag haben wir uns nun zum ersten Mal getroffen und einen Einstieg gewagt. Zunächst einmal ging es für Teresa und mich in Form einer MindMap darum herauszufinden, was die Kinder schon zum Thema Müll und Umweltverschmutzung wissen. Im Anschluss haben wir dann vor allem Ideen zu den Fragen: „Wie und warum schadet Müll uns und unserer Umwelt?“ und „Wie kann ich die Menge an Müll die ich produziere so gering wie möglich halten?“ gesammelt.  Die Schüler hatten interessante Ideen und waren größtenteils mit viel Begeisterung dabei. Als kleine Hausaufgabe sollen sie für einen Tag jeglichen Müll aufschreiben, den sie produzieren. Einerseits schafft dies ein Bewusstsein dafür, wie viel Müll sich über nur einen einzigen Tag ansammeln kann und andererseits haben wir dann nächste Woche die Möglichkeit zu schauen, welcher Müll sich vermeiden lässt und wie. Ich bin gespannt auf die nächsten Treffen und freue mich vor allem schon sehr auf die noch anstehenden Recycling-Projekte.

Ich bin begeistert davon, wie schnell uns die Lehrer bei der Umsetzung geholfen haben und wie engagiert sie doch sind. Schön zu hören finde ich es immer, wenn sie von unserem Projekt sprechen. Sie sehen sich als Teil davon und genau so sollte es auch sein. Denn dies lässt mich hoffen, dass es auch nach unserer schon baldigen Abreise noch weitergeführt wird!

Dies waren einige Ereignisse der vergangenen Monate. Den kommenden letzten Monat werde ich nun versuchen noch in vollen Zügen auszukosten und versuchen so wenig wie möglich an den bestimmt sehr schweren Abschied zudenken, bis es sich nicht mehr vermeiden lässt.

Bis bald, Charlotte.

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Merry Christmas: Weihnachten einmal ganz anders und Besuch aus der Heimat :)

Weihnachten am anderen Ende der Welt. Eine der Erfahrungen, die ich einmal machen kann und dann nicht unbedingt noch einmal brauche 😀 Denn dieses Jahr kam bei mir leider so gar keine weihnachtliche Stimmung auf.

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Unser schmucker, doch recht kitschiger Weihnachtsbaum 😀

Zum einen ist es viel zu warm und es erschien mir nicht real, dass es Dezember, Adventszeit und bald Weihnachten sein sollte. Zum anderen passierte auch nichts von all dem, was in dieser Zeit bei mir zu Hause üblich ist. Die Zeit flog dahin. Es wurden weder Kekse gebacken noch Weihnachtsfilme geguckt. Es gibt keinen Ofen der abends schön knistert, keinen Adventskranz. Von daheim hatte ich einen kleinen Adventskalender geschickt bekommen: jeden Sonntag durfte ich ein kleines Päckchen aufmachen! Dass war sehr schön. Aber ansonsten hatte ich nichts was mich an Weihnachten allgemein, geschweige denn an das heimische Weihnachtsfest und die Adventszeit erinnert hätte. Weihnachtsschmuck gab es bis zum 24. Dezember keinen. Aber dann haben wir noch auf die Schnelle einen kleinen, künstlichen Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt. Eigentlich ganz nett, aber weihnachtliche Stimmung wollte dennoch nicht aufkommen. Meine Gastmutter war nur am Backen für ihren kleinen Laden, es war eine eher stressige Atmosphäre. Am 24. sind wir abends und am 25. am Vormittag in die Kirche gegangen.

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In unseren neuen, festlichen Kleidern ging es auf zur Kirche

Ansonsten gab es kein nettes Beisammen sein, kein Feiern von Weihnachten außerhalb der Kirche. Am 24. hatte ich noch Hoffnung, dass noch etwas weihnachtliches am nächsten Tag geschehen würde da ich wusste, dass der 25. Dezember hier der entscheidende Feiertag ist. Doch nein, alles war wie sonst auch. Die einzige, kleine Weihnachtsfeier die nicht im kirchlichen Rahmen stattgefunden hat hatten Teresa und ich mit den Waisenkindern. Kurz vor Weihnachten haben wir gemeinsam Weihnachtslieder gesungen, in Deutsch, Englisch und Mampruli, Kekse gegessen und kleine Geschenke an sie verteilt. Dass war ganz schön und die Kinder haben sich total gefreut! Und am zweiten Weihnachtstag wurden Teresa und ich von einer amerikanischen Missionarsfamilie, die hier im Krankenhaus arbeitet, zu einem Ausflug eingeladen: wir sind nach Nakpandouri zur Gambagastufe gefahren.

Neben dem überwältigenden Ausblick war es ein total irres Gefühl auf einem Felsvorsprung zu sitzen und unter mir ist erst einmal mehrere Meter nichts. Der Wahnsinn!

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ein wunderbarer Ausblick – atemberaubend

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Am Abgrund…

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gehören Kopf und Füße wirklich zu ein und der selben Person?

Doch kurz nach Weihnachten, am 29.12. bekam ich dann noch das beste Weihnachtsgeschenk, dass ich mir hätte vorstellen können, soweit entfernt von daheim: Ich bekam Besuch aus der Heimat. Papa, mein Bruder Jonas und seine Freundin Inga hatten den weiten Weg auf sich genommen und ich habe mich riesig gefreut, als ich die drei am 29. Dezember in Tamale vom Flughafen abgeholt habe.

Vom Guesthouse in Accra am Flughafen wurde ihnen noch zwei Boxen für das Baptist Medical Centre mitgegeben, sodass wir glücklicher Weise mit einem Arzt im Auto nach Nalerigu fahren konnten. So komfortabel habe ich die vier Stunden nach Nalerigu noch nicht zurück gelegt seit dem ich hier bin. Für diesen Luxus muss erst meine Familie aus Deutschland kommen 😀

Gut gelaunt und mein Besuch sicherlich auch etwas kaputt von der langen Reise und den vielen neuen Eindrücken kamen wir alle wohlbehalten in Nalerigu an. Bevor wir zum Haus meiner Gastfamilie gingen statteten wir noch Babys Laden einen kurzen Besuch ab, wo sie gleich meine älteste Gastschwester Bernice kennengelernt haben und zum ersten Mal aus den Wassertüten getrunken haben. DSC00219

Der Laden wurde in den nächsten Tagen noch zu unserem täglichen Anlaufpunkt: nach Dorferkundungen, Besuchen beim Pastor, der Schule oder dem Markt genossen wir es im Laden meiner Gastmutter etwas kaltes zu trinken und das geschäftige Treiben auf der Straße zu verfolgen.

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Der kleine Ephraim war ganz begeistert von seinem neuen Duplo-Krankenwagen 🙂

Dann im Haus meiner Gastfamilie stand erst einmal die Hausführung, das Kennenlernen der restlichen Familienmitglieder und Mittag essen auf dem Plan. Im Anschluss haben meine Lieben ihre Zimmer bezogen und dann wurde sowohl ich als auch meine Gastfamilie reich beschenkt. Gast-und Weihnachtsgeschenke waren schnell ausgepackt.

Bevor es dann an ihrem ersten Abend gleich ans Fufu stampfen gehen würde haben wir noch einen Spaziergang zu Fluss gemacht.

Als wir zurück waren wurde gestampft und dann war es auch schon soweit: ihr erster kulinarischer Ausflug in die ghanaische Küche: Fufu.

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Ist dies doch mittlerweile mein ghanaisches Lieblingsessen geworden, war vor allem die Konsistenz für meine drei Lieben zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Aber sie konnten es ganz gut essen. Im Laufe der Zeit sollte es noch schlimmer kommen…aber dazu später.

Nach dem Abendessen gingen wir alle recht früh ins Bett. Die lange Reise, die vielen neuen Eindrücke und auch die Hitze machen einen einfach müde. Die gleiche Erfahrung machte auch ich, als ich vor nun beinahe 6 Monaten hier ankam.

Am nächsten Tag haben wir den Vormittag vor allem im Garten verbracht und ich habe ihnen das ghanaische Spiel Wari gezeigt.

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Nach dem Mittagessen sind wir dann zu Pastor Joseph gegangen, haben uns nett unterhalten und wurden natürlich gleich für den nächsten Tag zum Mittagessen eingeladen. Danach zogen wir einfach noch ein wenig durch die Straßen von Nalerigu, hinunter zum Fluss und wieder nach Hause.

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Auf den Straßen von Nalerigu ist immer recht viel los – vor allem vor den Motorradfahrern muss man sich in acht nehmen

Am darauffolgenden Tag war Silvester. Nach dem Mittagessen beim Pastor (Rice Balls mit Granout-Soup) gingen wir noch auf den Markt und am Abend in die Kirche. Dauerte der Gottesdienst eigentlich von 20.00 bis 0.00 blieben wir nur ca. 3 Stunden, dann hatten wir genug. So schön es auch ist, die Menschen singen und tanzen zu sehen, so befremdlich sind zum Teil ihre Glaubensrituale und das lange, laute Beten. Dennoch sind wir alle gut ins Neue Jahr gekommen!

Den nächsten Tag verbrachten wir im Kreise der Gastfamilie, spielten viel, gingen kurz zum Neujahrs-Festival vor dem Chiefs Palast und ruhten uns aus.

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Denn am nächsten Morgen hieß es für uns in aller Frühe aufstehen um den Metro-Mass-Bus nach Bolgatanga zubekommen. Von Bolgatanga aus fuhren wir dann mit einem Share-Taxi weiter nach Sirigu, ins SWOPA-Centre (Sirigu Women Organization of Pottery and Art).

In diesem Centre werden seit 1997 die Frauen aus Sirigu (typisches Farmerdorf) handwerklich im Töpfern, Malen und Korbflechten ausgebildet um ihr Einkommen zu Verbessern und Teile ihrer Kultur zu erhalten. Wenn sie diese handwerklichen Fähigkeiten gut beherrschen arbeiten sie von zu Hause aus und verkaufen ihre Sachen auf den umliegenden Märkten und sogar nach Burkina Faso.

Für uns bot sich dort die Möglichkeit zwei Workshops zu machen: wir wählten Töpfern und Korbflechten. Es hat viel Spaß gemacht, auch wenn unsere Ergebnisse bei weitem nicht mit denen der Frauen mithalten konnten, die sich unser eins angenommen haben.

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Neben den Handwerkskünsten haben wir zwei interessante Bäume gesehen, die es in Nalerigu so nicht gibt.
Die Nacht verbrachten wir in den traditionellen runden Häusern, bevor es dann am nächsten Tag zurück nach Nalerigu ging.

Der nächste Tag war ein Sonntag und so sind wir am Vormittag mit meiner Gastfamilie in die Kirche gegangen. In der Kirche war eine Namensgebung. Nachmittags sind wir noch einmal auf den Markt gegangen und haben für Inga einen Stoff gekauft. Noch am selben Abend hat sie bei Schneiderin Fostie ein Kleid in Auftrag gegeben.

Am Abend haben wir Banku gegessen. Ein weiteres, afrikanisches Gericht, das selbst ich nach einem halben Jahr immer noch nicht gerne esse. Es schmeckt ziemlich säuerlich und auch meine Familie hatte so ihre Probleme damit…verständlicher Weise.

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Banku stieren im Garten, daneben köchelt die Soße dazu

Am Montag war wieder Schule und dort führte auch unser erster Weg am Morgen hin. Da sowohl Madame Vic (Schulbesitzerin) als auch der Schulleiter gerade verhindert sind führte uns Ernest durch die Schule.

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Mit Ernest in einem der Klassenräume

Es ging alles noch recht chaotisch zu. Zum einen, weil die Schule eben an diesem Tag zum ersten Mal nach den Weihnachtsferien wieder geöffnet hatte und zum anderen, weil an einem der Hauptgebäude, so auch in meinem Klassenraum, nachdem in den Ferien bereits Türen montiert wurden nun noch die Böden zementiert wurden. Neben der Tatsache, dass die Schüler hier bei Schulbeginn innerhalb der ersten Woche alle nach und nach wieder eintrudeln und die wenigsten direkt am ersten Schultag kommen und da nun auch noch eines der Hauptgebäude eine Baustelle war wurde das Unterrichten um eine Woche nach hinten verlegt. In der ersten Woche wurde demnach nur der Schulhof aufgeräumt… 😀

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alle Räume ausgeräumt damit die Böden zementiert werden können

Nachdem meine Familie noch zwei Laptops, gespendet von der deutschen Organisation „Lapdoo“, abgegeben hatte haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Auf dem Weg haben wir noch bei einem Schneider vorbei geschaut und ein T-Shirt für meinen Papa in Auftrag gegeben.

Nachmittags haben wir dann wieder viel gespielt, sind zum Fluss gegangen…

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Neben dem Fluss werden noch Bausteine aus Lehm hergestellt

Dienstag hieß es am Vormittag erneut zur Schule, nachmittags zum Feeding Center. Mit den Waisenkindern stand heute Drawing and Painting auf dem Stundenplan und so erfreuten sich die Kinder an Papas guten malerischen Fähigkeiten!

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Danach hieß es auch schon packen, den am nächsten Morgen in aller Frühe wollten wir nach Mole in den Nationalpark. Zurück im Haus gab es leider kein Wasser mehr. Meine Gastschwestern waren schon fleißig am Wasser tragen, von der öffentlichen Wasserstelle zu unserem Haus.

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An der öffentlichen Wasserstelle ist immer viel Betrieb, denn die meisten Leute hier haben nie fließendes Wasser im Haus und holen hier mehrere Male am Tag Wasser

So kamen meine Lieben auch noch in den Genuss der Eimerdusche. Auch eine Erfahrung die man neben dem Stromausfall auf afrikanischem Boden auf jeden Fall mal gemacht haben sollte.

Leider ging es Inga am nächsten Morgen nicht besonders gut, sodass sie und Jonas in Nalerigu bleiben mussten. Die beiden würden wir dann am Freitag Vormittag in Tamale treffen. So machten Papa und ich uns alleine auf den Weg. Zunächst ging es, für Papa zum ersten Mal, mit dem Trotro nach Tamale und dann weiter mit dem MMT-Bus zum Nationalpark. Statt um 12.30 kam der Bus leider erst gegen 18.00, sodass wir viel später als gedacht in Mole ankamen. Aber Unpünktlichkeit bin zumindest ich mittlerweile gewohnt. Abends kamen wir also in Mole an.

Am nächsten Morgen ging es noch vor dem Frühstück auf zur Safari-Tour.
Als wir aus der Tür unseres Zimmers gekommen sind kam uns als aller erstes eine Pavian-Mutter mit ihrem Jungen entgegen. Dass war so cool 🙂

Bezüglich der Tour entschieden wir uns erst einmal den Jeep zu nehmen, weil man dann mehr sehen kann. Und so sahen wir vom Dach des Jeeps aus verschiedene Vogelarten, unterschiedliche Affen, wie beispielsweise Paviane, Moorantilopen und Antilopen, Warzenschweine, Büffel, Krokodile und Elefanten aus nächster Nähe in freier Wildbahn. Vor allem die Elefanten haben mich total begeistert, gehören sie doch mit zu meinen Lieblingstieren. 🙂 Nur die Leoparden wollten sich uns leider nicht zeigen.

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Noch näher kamen wir den Elefanten als wir nach dem Frühstück noch eine Tour zu Fuß gemacht haben. Einfach unglaublich wie riesig diese Tiere dann doch tatsächlich sind wenn sie direkt, ca. 10 Meter, aber auf keinen Fall mehr, vor einem stehen.

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Den Nachmittag verbrachten Papa und ich dann im Pool und mit dem Beobachten der vielen verschiedenen Tiere die sich nach und nach an dem großen Wasserloch unterhalb des Restaurants zeigten. Einfach herrlich.

Am nächsten Morgen ging es dann erneut ziemlich früh aus den Betten zurück nach Tamale wo wir Jonas und Inga getroffen haben. Auch die Beiden haben ihre erste Fahrt mit dem Trotro gut überstanden und nach einem kleinen Frühstück schlenderten wir noch durch das Kulturzentrum, bevor es dann auch schon Abschied nehmen hieß. Wie immer vergingen auch diese 12 Tage viel zu schnell. Für die drei ging es auf zum Flughafen und für mich zurück nach Nalerigu.

Nachdem unerwartete Probleme mit dem Flug behoben waren sind die drei wohlbehalten in Deutschland angekommen!
Danke für euren Besuch, es waren schöne Tage mich euch 🙂 Bis in einem halben Jahr!

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Auf Reisen entlang der ghanaischen Atlantikküste: Weihnachtsurlaub (06.12. – 16.12.14)

Nach Wochen mit Schule und Feeding Center nahten nun endlich die Schulferien und so haben Teresa und ich in der letzten Woche vor den Ferien während die Prüfungen geschrieben wurden, Weihnachtsurlaub an der ghanaischen Atlantikküste gemacht.

Mit dem Bus ging es von Tamale aus in einer 12-stündigen Fahrt immer Richtung Süden über Kumasi nach Accra. Besonders auffällig war der Wandel der Landschaft. Hier im Norden wird es nun da die Regenzeit vorbei ist immer trockener, es ist kaum noch grün zu sehen. Um so weiter wir zum Meer kamen, umso grüner wurde es.

Obwohl es ein recht komfortabler Bus war, waren wir doch sehr erschöpft als wie endlich Accra und dort unsere wirklich sehr schön gelegene Unterkunft erreichten. Das Rising Phoenix, bei den Einheimischen unter „Akuma Village“ bekannt, liegt direkt am Meer, ist etwas höher auf einem Felsvorsprung gelegen. Wir wurden also 24 Stunden von Meeresrauschen begleitet. Einfach herrlich.

Am ersten Tag in Accra begaben wir uns auf Entdeckungstour. Accra hat kein Zentrum im eigentlichen Sinne des Wortes und so wussten wir nicht recht, wo beginnen. Schließlich orientierten wir uns entlang des Meeres und es ging zu Fuß von Christiansborg, über den Unabhängigkeitsplatz, weiter durch das Arts Center und über den Souveniermarkt nach James Town.

Besonders auffallend bei diesem Stadtrundgang ist zum einen, dass die Stadt ist sie doch direkt am Meer gelegen landeinwärts ausgerichtet ist, zum anderen die starken Gegensätze Accras: so hat man auf der einen Seite die großen politischen Bauten und auf der andren Seite die Fischer, die immer noch in ihren Pirogen ins Meer stechen, so wie auch schon zu Beginn der Besiedlung.

Die Christiansborg, oft einfach The Castle genannt, von den Schweden, erbaut diente bis vor kurzem noch als Regierungssitz und soll nun eventuell als Museum ausgebaut werden.

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Die Christiansborg im Hintergrund

Weiter ging es zum Unabhängigkeitsplatz und von da aus am Strand entlang Richtung Arts Centre und Souvenirmarkt. Als wir am Strand entlang liefen hatten wir zum ersten Mal die Befürchtung, dass es eher schwierig werden könnte hier baden zu gehen. Alle paar Meter wurden wir angesprochen, es stellte sich als problematisch dar, die Leute wieder loszuwerden und viele folgten viele Meter und so auch zwei Männer, die uns noch durch das gesamte Arts Centre begleitet haben. Es ist schwierig einzuschätzen, inwiefern man sich auf ein Gespräch einlassen sollte oder ob es manchmal besser ist die Menschen zu ignorieren in der Hoffnung, dass sie uns dann nicht weiter begleiten. Auf unserem Weg durch Arts Centre und Souveniermarkt wurden wir von den Rufen der vielen Händler begleitet. Es war ein etwas stressiger Besuch für uns, weil der Wettbewerb unter den Händlern sehr groß ist. Ein entspanntes bummeln war uns nicht möglich, wir wurden in die Läden gezogen, alle wollen uns ihre Sachen verkaufen und es ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, nur in einige Läden reinzuschauen. Einmal da kommt man nicht mehr raus, bevor man nicht alle Läden angeschaut hat. Neben dem typischen Kunsthandwerk, womit die Touristen angelockt werden sollen und was wir zum Teil auch schon aus anderen Kulturzentren kennen fand ich es ganz schön, dass uns zwei wahrhaftige Künstler einmal gezeigt haben was sie können und uns ihre Trommelkünste präsentiert haben.

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Danach sind wir weiter bis nach James Town gelaufen. Was uns in James Town erwartet hat war eine große Überraschung für mich, wird doch im Reiseführer von einer Altstadt gesprochen. Als wir die „Altstadt“ betreten wollten wurden wir erst einmal aufgehalten. Einheimische haben uns gesagt, dass Touristen die „Altstadt“ ohne Führer nicht gefahrlos betreten können. Wir waren erst einmal überrascht, haben es aber verstanden als wir die Stadt dann mit Führer betraten. James Town ist eine größere Region in Accra, unter der „Altstadt“von James Town versteht man wie wir herausfinden durften ein Fischdorf. IMG_5598Es ist ein recht verstecktes Armenviertel. In einem relativ großen Areal reit sich eine BarackeIMG_4225 an die nächste und in diesem Moment wird einem die Größe der Schere zwischen Arm und Reich so richtig bewusst. Kurz zuvor haben wir noch die prunkvollen, politischen Bauten, Universitätsfakultäten, die großen Banken, Kaufhäuser viele weitere stattliche Einrichtungen passiert und von einer MinuteIMG_5591 auf die andere befanden wir uns inmitten der nun für uns recht greifbaren Armut. Von unserem Führer erfuhren wie, dass die Fischer in ihren Pirogen mehrere Tage, zum Teil Wochen, auf dem Atlantik bleiben und dass viele gar nicht mehr zurück kommen. Dementsprechend hoch ist die Zahl an Waisen oder Halbwaisen, die in dem Fischerdorf leben. Aufgrund dessen wurde nun eine Schule erbaut, sodass den Waisenkindern eine Schulbildung ermöglicht werden kann und sie auf eine ergiebigere Zukunft als ihre Eltern hoffen können. Eine Initiative, die auf großzügige Spenden angewiesen ist. Direkt neben dem Fischerdorf befindet sich auch das James Fort, das früher als Gefängnis diente.

Zum Abschluss sind wir noch auf den Leuchtturm gestiegen und konnten ganz James Town von oben betrachten. Ein unglaublicher Ausblick und die Grenze zwischen Arm und Reich wird sichtbar.

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Der Leuchtturm von James Town

IMG_5612Am Strand entlang ging es dann zurück zu unserer Unterkunft.

IMG_5577Abends auf unserer Veranda mit Blick auf das Meer habe ich dann noch zum ersten Mal eine Sternschnuppe gesehen. Ein schöner Abschluss des Tages.

Am nächsten Tag sind wir auf den größten Markt Accras, den Makola Market gegangen. Auf dem Weg dorthin habe ich zum ersten Mal etwas davon mitbekommen, dass bald Weihnachten ist. In den IMG_5614Straßen konnte man an einigen Ständen künstliche Weihnachtsbäume und sehr kitschigen Weihnachtsbaumschmuck kaufen.

Auf dem Markt angekommen herrschte hektisches Treiben, alles wuselt, ruft und schwirrt umher, vereint in dem Bestreben, etwas zu erwerben: Güter oder Geld. Für Teresa und mich war vor allem wir auch schon in Kumasi auf dem Markt die Stoffabteilung interessant. Aber auch die vielen typisch afrikanischen, für uns zum Teil eigenartig und komisch aussehenden Dinge haben wir interessiert zur Kenntnis genommen und vor allem das umfangreiche Obst- und Gemüseangebot haben wir bestaunt und genossen. Denn bei uns im Norden gibt es bei weitem keine so große Auswahl und vieles ist auch um etliches teurer.

Am Nachmittag sind wir an den Strand gegangen und haben erstaunlicher Weise unterhalb der Christiansborg relativ ungestört baden können – bis wir verscheucht wurden. Grundsätzlich ist es eher schwierig hier baden zu gehen. Du hast keine ruhige Minute, es wird schnell anstrengend und es macht sich ein leichtes Unbehagen bemerkbar. An diesem Nachmittag ist es uns dennoch gelungen ein relativ unbesuchten Strandabschnitt zu finden, sodass wir baden gehen konnten, bis wir entdeckt wurden. Wie wir erfahren haben war der Strandabschnitt unterhalb der Christiansborg relativ ausgestorben, weil man da nicht baden darf, da das einst der Regierungssitz war. Für uns nicht ganz verständlich, mussten wir dennoch relativ schnell das Feld räumen.

Zurück in unserer Unterkunft haben wir unsere sieben Sachen zusammen gepackt und uns dann auf den Weg zu Susanne und Vincent gemacht. Bei ihnen verbrachten wir die nächsten beiden Tage. Wir haben gemeinsam Chito gemacht, eine scharfe Soße bestehend aus Zwiebeln, Ingwer, Thunfisch, Shrimpspowder, ganz viel Öl und beliebig viel Chili. Ich kannte es bislang noch nicht, weil die Zubereitung sehr lange dauert. Eigentlich schade, da es mir wirklich gut schmeckt! Während unserem Aufenthalt wurden wir total verwöhnt, es war himmlisch. Vielen Dank für die schönen zwei Tage! Kurz bevor wir Abschied nehmen mussten haben wir noch in Vincents Laden vorbeigeschaut. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde ich in Weihnachtsstimmung versetzt. Schön weihnachtlich hat er seinen Laden dekoriert, sogar mit singender und bunt leuchtender Lichterkette.

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Weihnachtsschmuck UND die Deutsch – Ghanaische Freundschaft oben rechts

Dann hieß es nach den Tagen der Entspannung relativ schnell auf ein Wiedersehen und für uns ging die Reise weiter entlang der Küste nach Cape Coast. Nach zweistündiger Busfahrt erreichten wir in der Dämmerung Cape Coast und kurz darauf auch schon unsere direkt am Meer gelegene Unterkunft für die nächsten fünf Tage. Das Babobab House ist Teil der „Babobab Childrens Foundation“. Das Projekt ermöglicht Straßenkindern eine Schulausbildung. Mit den Geldern die im Guesthouse sowie im dazugehörigen vegetarischen Restaurant und im Laden, wo von den Schülern in täglichen Workshops am Nachmittag hergestellte Dinge wie Batikstoffe, Seifen, Armbänder, Taschen und vieles mehr verkauft werden, erwirtschaftet werden sollen die laufenden Kosten der Schule finanziert werden. Es ist ein ebenfalls von Weltwärts unterstütztes Projekt und wir haben vier Freiwillige getroffen, die dort ihren entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen. An diesem Abend haben wir nur noch einen kurzen, sehr schönen Strandspaziergang gemacht, bei dem wir schon einen Blick auf das Cape Coast Castle erhaschen konnten.

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Strandspaziergang

Am nächsten morgen haben wir dann nach einem wirklich leckeren Frühstück, mit Müsli, Obst und richtiger Milch (haben wir im Norden nicht), als erstes das direkt am Meer gelegene Castle besichtigt. Die mächtige Burg der Briten gehörte einst zu den größten Sklavenumschlagplätzen der Welt. Nach einem Rundgang durch ein Museum zur Geschichte der Sklaverei haben wir im Zuge einer Führung die Burg besichtigen können. Der Rundgang war zum Teil etwas beklemmend wenn ich mir vorstelle, was den Menschen hier angetan wurde. Zum Teil wurden bis zu 2000 Menschen in vier relativ kleinen Räumen von ca. 100 m² gesperrt. Die Gefangenen wurden in diesen unterirdischen Kerkern bis zu drei Monate ohne Kleidung, Wasser, Licht und mit viel zu wenig Nahrung eingesperrt bis die Schiffe kamen und sie verladen wurden. Zuvor wurden sie gebrandmarkt und aneinander gekettet. Von 2000 Menschen haben ca. 200 überlebt. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass es unter solch furchtbaren Bedingungen überhaupt Überlebene gab. Neben diesen Kerkern für die Männer gab es noch zwei weitere für Frauen und Kinder, die unter ebenso furchtbaren Bedingungen eingepfercht wurden. Außerdem haben wir die Wohnquartiere der Gouverneure, die Mannschaftsquartiere, den Sklavenmarkt, Todeszellen und des Gouverneurs und des ersten einheimischen Pfarrers der Goldküste. Die Wohnquartiere der Gouverneure waren im direkten Vergleich zu den zuvor besichtigten Kerkern erschreckend groß, Licht durchflutet, mit großem Badezimmer und separatem Schlafgemach. In den Todeszellen wurden all diejenigen gesperrt, die es gewagt haben sich aufzulehnen und darin zu Tode gehungert. Außerdem nicht zu übersehen waren die vielen Kanonen und Kugeln zur Verteidigung der Burg.

Eine wirklich eindrucksvolle Besichtigung, auf die am Nachmittag ein Kontrastprogramm folgte: nachdem wir am Vormittag die furchtbaren Ereignisse der Vergangenheit in seinen Grundzügen durchleben durften, folgten nun entspannte Stunden am Strand. Wir waren im Atlantik baden, wurden ordentlich hin und her geschleudert, haben ein wenig Salzwasser geschluckt und dennoch den Strand und das Meer sehr genossen.

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Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug in den Regenwald gemacht, in den Kakum-Nationalpark. Nach einer Besichtigung der Dauerausstellung über den Tropenwald ging es für uns in luftiger Höhe (30 bis 40 Meter) auf dem Canopy-Walkway von Baumwipfel zu Baumwipfel. Auf dem in Baumkronenhöhe an Seilen aufgehängtem Pfad kann einem ist man nicht ganz frei von Höhenangst schnell mal mulmig werden. Ich fand es klasse und ein tolles, aufregendes Erlebnis. So etwas erlebt man schließlich nicht alle Tage!

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Luftikus: in luftiger Höhe geht es von Baumwipfel zu Baumwipfel

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Am darauffolgenden Tag sind wir nach Brenu-Akynim gefahren. In Brenu-Akynim gibt es einen bislang noch relativ ausgestorbenen, von Kokospalmen gesäumten Strand in einer ruhigen, kleinen Lagune. Bislang hatte sich das baden gehen im Atlantik eher als etwas schwierig erwiesen. Kaum jemand (vor allem Männer, Frauen sieht man eher weniger, außer bei der Arbeit) ist an uns vorbeigegangen, ohne uns anzusprechen. Es war nicht möglich, sich im Bikini an den Strand zu legen und nur zu baden und sich dann sofort wieder umziehen ist irgendwie auch nicht das Wahre. Umso schöner war es, dass wir einen Tag an diesem Strand verbringen konnten. Wir haben es genossen in Ruhe baden und in der Sonne liegen zu können! Und als absolutes Highlight haben wir zum Schluss noch eine Kokosnuss serviert bekommen, frisch vom Baum gepflückt.

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Auf den erholsamen Strandtag folgte die Besichtigung von Elmina und seinen Burgen. Elmina ist seit jeher ein Fischerort.IMG_5763 Im Fischereihafen ist immer viel los, Boote kommen und gehen, Fisch wird ausgeladen, versteigert und weiterverkauft. Es herrscht ein buntes Treiben. Sao Jorge da Mina (Elmina Castle) und die gegenüber auf einem Hügel stehende Burg Sao Jago da Mina (Conraadsburg) haben wir uns nur von außen angeschaut. Elmina Castle ähnelt sehr dem Cape Coast Castle und die Conraadsburg hat eine rein militärische Bedeutung und kann meines Wissens nach nicht besichtigt werden. Von dort oben hat man eine sehr schöne Aussicht über Elmina.Außerdem gibt es in Elmina noch drei Posuban-Schreine, welche typisches Merkmal des Fantilandes sind. Das sind kleine, tempelartige Anlagen der alten militärischen Organisationen, in denen Gebete gesprochen und Opfergaben gebracht werden. Die Häuser wurden zum Andenken an die Götter gebaut und erzählen von Sieg oder Niederlage der jeweiligen Kampftruppe. Sie sind schön anzuschauen, da sie reichlich mit Emblemen in traditionellem Stil verziert sind.

Zurück in Cape Coast machten wir noch einen schönen Strandspaziergang in der Abenddämmerung und packten dann auch schon wieder unsere sieben Sachen zusammen. Kurz entschlossen wollten wir schon einen Tag früher als geplant zurück nach Accra fahren, weil wir erneut auf den Markt wollten um noch mehr Stoffe kaufen zu können, da die Auswahl doch viel größer ist als im Norden und es ist auch einfach sehr viel günstiger. Und tatsächlich: Als wir am nächsten Tag in Accra ankamen und den Markt besuchten fand ich noch zwei weitere Stoffe. Nachmittags sind wir noch in ein Kaufhaus gegangen um endlich mal wieder Joghurt zu essen. Im Supermarkt habe ich mich nach Deutschland versetzt gefühlt. Es sah aus wie bei uns, es gab (fast) alles was ich in Deutschland im Supermarkt bekomme. Doch sobald ich raus in die Hitze auf die Straße gegangen bin wusste ich wieder, wo ich war. In Accra. Es war unwirklich aber real. Da wurde mir erneut bewusst, wie stark die Unterschiede nicht nur zwischen Ghana und Deutschland sind, sondern vor allem wie groß der Entwicklungsunterschied innerhalb des Landes immer noch zwischen Norden und Süden ist. Aber: es war schön, nach einem halben Jahr mal wieder Joghurt zu essen.

Dann hieß es am nächsten Morgen auch schon Abschied nehmen von Strand, Meer, der erfrischenden Meeresbrise und allen Leckereien die es oben bei uns im Norden nicht gibt. Mit dem Flugzeug ging es zurück nach Tamale und von dort aus in vierstündiger Busfahrt zurück nach Nalerigu. Bis alle Plätze des Trotros besetzt waren vergingen noch mal an die zwei Stunden und ich konnte mich erneut in Geduld üben. Als es dann endlich losging war es schon dunkel und ich kam erst spät zu Hause an. Auf der Rückfahrt nahmen wir eine Abkürzung mitten durch den Busch und ich habe einige Buschbrände gesehen. Blicke ich zurück waren es schöne zehn Urlaubstage und ich hatte die Chance, einen weiteren Teil des Landes kennenzulernen! 🙂

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Durch den Dschungel der Sprache – Mampruli

Seit nun beinahe vier Wochen heißt es jeden Samstag auf zum Haus von Pastor Joseph, wo um 10.30 mein Mampruli Unterricht beginnt! Wie ich in meinem letzten Eintrag erzählt habe, haben Teresa und ich endlich jemanden gefunden, der versucht uns die Sprache der Einheimischen beizubringen und sich nun wöchentlich mit unseren bislang recht dürftigen Kenntnissen herumschlägt. Aber wir machen Fortschritte und ich freue mich jedes Mal wenn ich Gesprächsfetzen aufschnappe!

Es gibt für mich vor allem zwei Sachen, die das Erlernen der Sprache für mich nicht ganz einfach machen. Zum einen ist es die Aussprache. Es gibt einige Laute die aus der Kehle zu kommen scheinen und sich für mich alle ziemlich ähnlich anhören, aber im Gebrauch der Sprache einen entscheidenden Unterschied darstellen. Vor allem die Unterscheidung von „N -“und „M-“ vor einigen Wörtern, oftmals am Satzanfang fällt mir schwer.

Zum anderen sind es die „wonderful letters“. Diese wundervollen Buchstaben sind eine Eigenheit des Mampruli und bisher ist es mir nicht gelungen herauszufinden wie sie im einzelnen ausgesprochen werden.

Hier nun einige Sachen in Mampruli, die ich bereits beherrsche:

Begrüßungen:
Guten Morgen – Dasuba
Guten Nachmittag – Niiwuntanga
Guten Abend – Niizaanori
Gute Nacht – Anola
Ejaari – Welcome

Es gibt noch viele weitere Begrüßungen, die sich alle daran orientieren was die Person gerade macht, die man begrüßen will. Folglich begrüßt man jemanden der läuft anders, als jemanden der arbeitet, als jemanden der Wasser trägt, als jemanden in einem Gespräch, als jemanden der vom Markt kommt und so weiter. Ihr seht: es gibt sehr viele Differenzierungen, was das Lernen für Neuanfänger wie mich nicht gerade einfacher macht!

Antwort auf alle Begrüßungen ist immer Naa in Kombination mit Fragen nach dem Wohlbefinden der Person:

Di nyawula?“ beispielsweise heißt wie geht es dir, „e-mari alafiah?“ bedeutet wie ist deine Gesundheit und mit „tomasim“ erkundigt man sich ob die Person gut geschlafen hat.

Antwortmöglichkeiten gibt es auch hier wieder viele, die gängigsten aber sind:
Disuawa – gut“ und „m-mari alafiah – meine Gesundheit“ ist gut.

So weit zu den Begrüßungen.

Viele weitere, für den Alltag ganz hilfreiche Dinge habe ich schon gelernt.
Ein paar davon möchte ich gerne noch mit euch teilen:
Danke – M-puusia
Bis morgen – Bioo n-la
Wo gehst du hin? – Ewaya?
Ich gehe nach Hause – N-kunini
Ich gehe zur Schule – Nwa sukuni.
Ich habe Hunger – Kum-m-marima.
Ich werde was essen. – N-yen diladibu.
Ich bin satt. – N-tigiya.                                                                                                                                        
Ich will… – M-bori la…
What are you cooking? – Bo ka e duyiria?
Auf dem Markt („daa“) ist folgendes ganz hilfreich:
Wie teuer ist dass? – A la n-nyei di?
Es kostet… – Di n-nyei la..
Es ist schön. – Di veala.
Noch ein paar Sachen, die man vor allem auf den Straßen hinterher gerufen bekommt oder im TroTro gefragt wird:
Wie heißt du? – Nyuri?
Mein Name ist… – Nyuri jala…
Wo kommst du her? – E-yila ya?
Ich komme von… – N-yila…

Was vielleicht auch ganz nett ist zu wissen, was das Gegenstück zu Sulminga heißt. Werde ich nun Sulminga (Weiße) auf der Straße gerufen kann ich zurück rufen: Gbansabeli – Schwarzer.

Noch viel mehr, vielfältige Vokabeln von Tieren, über Zahlen von eins bis zwanzig, Obst und Gemüse, Gegenstände und einige Verben habe ich bereits gelernt und ich arbeite jeden Samstag daran, auch endlich ein wenig die doch recht komplexe Grammatik dieser Sprache zu verstehen um eigenständig Sätze bilden zu können.

Und so ist es wie folgt: nach den ersten vier Wochen verstehe ich schon einiges, vor allem Gesprächsfetzen. Das Bilden von ganzen Sätzen fällt mir aber noch ein bisschen schwer.Es wird sich noch zeigen inwieweit ich mich am Ende meines Jahres auf Mampruli verständigen kann.

So weit erst einmal,
liebe Grüße aus der Ferne.
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Ein Drittel ist schon vergangen – Zeit für einen Zwischenbericht

Nach den nun beinahe ersten vier Monaten meines weltwärts-Freiwilligendienstes – schon ein Drittel ist vergangen – bin ich froh, dass ich mich zu diesem entschieden habe.

Mein Gefühlsleben wird zum jetzigen Zeitpunkt vor allem vom Gefühl der Freude geprägt. Ich freue mich darüber, dass ich die Chance habe, ein Jahr in dem Projekt hier in Nalerigu zu helfen und für ein Jahr die Möglichkeit habe, ghanaisches Leben hautnah mitzuerleben. Dass ich im Moment so positiv gestimmt bin, hängt natürlich auch damit zusammen, dass es hier zur Zeit alles in allem recht gut für mich läuft. Die Arbeit in meinen Einsatzstellen macht mir Spaß und auch in meiner Gastfamilie habe ich mich gut eingelebt und ich fühle mich wohl. Schon jetzt ist es ein wenig wie ein zweites Zuhause für mich geworden. Natürlich bin ich ungewiss, wie sich dies in dem Jahr entwickeln wird. Es kann trotz allem sein, dass ich merken werde, dass mir ein Jahr von zu Hause weg zu sein vielleicht doch zu lang wird. Es können immer Probleme auftauchen, mit denen ich jetzt nicht rechnen würde. Aber an alles, was sein könnte, möchte ich jetzt nicht zu viel denken. Nun ist es erst einmal schön mit einem Lächeln im Gesicht an die vielen Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen Monate zurückdenken zu können und mit Vorfreude erwarte ich die noch vor mir liegenden Ereignisse.

Hier in Nalerigu wohne ich in einer Gastfamilie. In meiner Gastfamilie fühle ich mich unglaublich wohl. Meine Gastmutter ist ein total herzlicher Mensch und mit meinen Gastgeschwistern verstehe ich mich gut. Es macht mir viel Spaß, Zeit mit ihnen zu verbringen und ich merke durchaus, dass wir uns in der letzten Zeit immer mehr angenähert haben und uns immer besser kennenlernen.

Was ich auch ziemlich gut finde ist dass meine Gastfamilie neben Schafen, Ziegen und Hühnern auch zwei Hunde hat, die gerade Nachwuchs bekommen haben. Und als meine Gastmutter bemerkt hat wie sehr ich an den kleinen Welpen hänge durfte ich mir einen aussuchen – zumindest für meine Zeit hier. Alle anderen werden abgegeben. Und weil wir in den letzten Wochen eindeutig zu viele Mäuse im Haus hatten haben wir nun eine Katze bekommen. Die ist wirklich putzig. Bleibt nur zu hoffen, dass sie schnell wächst, sodass sie dann auf Mäusejagd gehen kann. Der Garten ist, wahrscheinlich wegen der Tiere, zu einem meiner absoluten Lieblingsorte geworden.

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Mein Hund 🙂

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Unsere Katze – bevor sie auf Mäusejagd gehen kann muss sie noch ein ganzes Stück wachsen

In den ersten vier Monaten habe ich ganz viele neue, typisch ghanaische Eigenarten kennen gelernt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich es schwer finde, diese vielen neuen Eindrücke in Worte zufassen. Die wenigsten Dinge sind mit denen in Deutschland zu vergleichen. Zunächst einmal habe ich ghanaisches Essen kennen und lieben gelernt. Ich habe bereits mein ghanaisches Lieblingsessen („Fufu“) und ich finde es klasse, einfach mit den Händen zu essen. Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich anfangs das ghanaische Zeitgefühl, habe ich in Deutschland doch eher Wert auf Pünktlichkeit gelegt. Dazu gehört natürlich auch, dass ich mich erst einmal ziemlich in Geduld üben musste. Sei es an der Bus Station, in der Schule oder am Flughafen: hier laufen die Uhren etwas langsamer. Vor allem zu Beginn war ich oftmals ungeduldig: der Prozess, den wir wegen des Visums durchlaufen mussten, warten auf Unterlagen von der Schule, beginnen zu unterrichten…all dass und noch vieles mehr hat mir einfach zu lange gedauert. Mittlerweile habe ich mich aber soweit daran gewöhnt. Von Anfang an gemocht habe ich die Offenheit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Natürlich trifft dass nicht auf alle zu, aber es ist doch deutlicher als in Deutschland, so meine Erfahrung bisher.

Noch viel mehr Neues habe ich bereits gesehen und erlebt. All diese Dinge in Worte zufassen ist nahezu unmöglich. Man muss es selber sehen und erleben, um verstehen zu können, wie anders hier alles ist. Manchmal habe ich den Eindruck in einer Parallelwelt zu leben und dabei bin ich nur auf einem anderen Kontinent.

Es ist nicht immer einfach und über die ein oder andere Sache habe ich mich auch schon ärgern müssen, aber ich denke dass bleibt nicht aus und es gibt zudem mindestens genauso viele Dinge, die mir viel Freude bereiten. Freude bereitet es mir, wenn ich sehe, dass ich helfen kann. Wenn ich sehe, dass die Waisenkinder Spaß haben, mit mir zu spielen, wenn ich bemerke, wie die Kinder in meiner Klasse Fortschritte machen, wenn sie verstehen, was ich ihnen versuche zu erklären, habe ich Spaß an der Arbeit. Immer wieder bringen mich die Kinder in der Schule und vom Feeding Center mit ihren Fragen, Wünschen, Vorstellungen zum Schmunzeln. Sie sind doch immer wieder für eine Überraschung gut. Sicherlich ist nicht immer alles einfach und es ist nicht immer alles zum Lachen. Es ist immer auch eine Herausforderung, eine so große Schulklasse zu unterrichten, alle Kinder im Feeding Center zufrieden zu stellen und es ist nahezu unmöglich es zu schaffen, dass alle glücklich und zufrieden nach Hause gehen. Und dennoch: Jedes lachende Kind trägt ein Stück weit dazu bei, dass ich Lust habe, am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen, weil es mir zeigt, dass meine Arbeit angenommen wird.

Das Feeding Center:

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Gruppenbild

Unter der Woche, von Dienstags bis Freitags, haben wir immer nur wenig Zeit mit den Kindern im Feeding Center. An diesen Tagen spielen wir Volley Ball oder andere aktive Spiele, Kartenspiele, malen und zeichnen und ein Mal in der Woche haben sie eine Art Nachhilfe bei dem ältesten Sohn vom Pastor (Gründer des Feeding Centers). Diese Nachhilfe ist gut, weil die wenigsten der Kinder regelmäßig zur Schule gegangen sind und somit noch nicht so weit sind, wie sie eigentlich sein sollten. Wenn sie jedoch besonders gut in ihren Prüfungen abschneiden dürfen sie eine Klasse überspringen. Dass ist eine Sonderregelung für die Waisenkinder an der Schule wo ich unterrichte. 

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Drawing & Painting

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Volley Ball

Samstags haben wir im dann immer etwas mehr Zeit als unter der Woche, weshalb wir diesen Tag nutzen um kleinere Projekte durchzuführen. Vor ein paar Wochen haben wir mit den Kindern Freundschaftsarmbänder geflochten.

IMG_5317Sie hatten viel Spaß dabei und alle wollten mitmachen. Und vor zwei Wochen haben wir dann angefangen zu singen – in Englisch und in Mampruli. Wir haben einen Chor aufgestellt und letzten Sonntag im Gottesdienst ein erstes Lied gesungen. Wir haben viel Spaß dabei und auch von der Gemeinde scheint es gut aufgenommen zu werden. Viele sind aufgestanden und haben mit uns gemeinsam getanzt. Pastor Joseph hätte es am liebsten, dass wir nächsten Sonntag erneut ein Lied singen. Mal sehen, ob sich dass umsetzten lässt. Schön wäre es ja und die Kinder sind auf jeden Fall mit viel Freude dabei.

Bei den vielen neuen Eindrücken und Dingen, die ich hier erlebe gibt es auch ein paar Sachen, an die ich mich (bisher) nicht gewöhnen kann.

Dazu gehört auch, dass die Kinder hier in der Schule geschlagen werden, zum Teil wegen Lapalien. Es macht mich traurig mit ansehen zu müssen, wie die Kinder vor meinen Augen mit dem Stock geschlagen werden. Ich fühle mich in solchen Situationen hilflos, weil ich nichts dagegen tun kann. Ich kann die Lehrer vor den Kindern nicht davon abhalten, weil ich dann ihre Autorität in Frage stellen würde. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Kinder hier geschlagen werden, nur weil sie in der Schule barfuß laufen, bei der Morning Assembly nicht gerade stehen, beim Beten nicht die Hand heben oder weil sie nicht schnell genug waren. Es gibt für all das in meinen Augen, sofern eine Bestrafung überhaupt angebracht ist, weniger drastische Maßnahmen, um den Kindern zu zeigen, dass sie in den Augen der Lehrer falsch handeln. Eine weitere Sache, an die ich mich nur schwer gewöhnen kann und die ich auch nur zum Teil nachvollziehen kann ist, dass die Kinder hier oftmals die Rolle eines Dienstboten für Eltern, Lehrer und Erwachsene im Allgemeinen und auch ältere Kinder einnehmen. Ich finde es überraschend, wie viele Aufgaben schon die kleinsten Kinder übernehmen müssen. Wenn ich zurückblicke, was ich als Kind zu Hause machen musste, ist es fast schon erschreckend wenig im Vergleich zu hier.

Doch genauso gibt es schon viele Dinge, die mir im Vergleich zu den ersten Tagen und Wochen hier, wo alles noch komplett neu war, bereits zum jetzigen Zeitpunkt meines Freiwilligendienstes vertraut geworden sind.
Zum Beispiel das ghanaische Essen. Am Anfang konnte ich mich nur schwer mit der Konsistenz und mit dem Geschmack der ghanaischen Gerichte anfreunden. Mittlerweile habe ich mein Lieblingsgericht, esse wie alle Ghanaer mit den Fingern und finde wie die meisten Leute hier, dass meine Gastmutter Baby eine wirklich gute Köchin ist.

Auch die ständige Geräuschkulisse, vor allem in den frühen Morgenstunden und am Abend, bereitete mir zu Anfang einige schlaflose Stunden. Ständig geben Ziegen, Schafe, Hühner und viele andere Tiere Laute von sich und ich bin zu Beginn ständig davon aufgewacht. All diese Geräusche sind mir mittlerweile so vertraut geworden, dass ich oftmals gar nicht mitbekomme, dass die Geräusche fehlen, also dass die Tiere mal wieder auf und davon sind. Ähnlich geht es mir mit dem ghanaischen Zeitgefühl, welches ich nach vier Monaten bereits übernommen zu haben scheine. Wenn ich zurück nach Deutschland komme muss ich mich erst einmal wieder auf Pünktlichkeit umstellen.

Obwohl es sich eigentlich um eine Art Zwischenbericht handelt möchte ich vor allem auch noch auf ein paar Ereignisse aus den vergangenen Wochen eingehen, die mir viel Freude bereitet haben.

Vor einigen Wochen habe ich mir mein erstes Kleid und eine Hose schneidern lassen. Es ist hier so günstig und die bunten afrikanischen Stoffe sind so schön.

Vor ca. 4 Wochen habe ich dann endlichen einen Lehrer gefunden, der mir nun jeden Samstag Vormittag versucht, zumindest die Grundlagen der lokalen Sprache zu vermitteln. Ich habe schon vieles gelernt und bin jedes Mal freudig überrascht, wenn ich Bruchstücke der Gespräche meiner Gastfamilie, von Freunden, von den Kinder im Feeding Center oder einfach auf der Straße beim Vorbeigehen aufschnappe. Ich verstehe nicht jedes Wort, aber oftmals brauche ich keine Übersetzung mehr sondern weiß an Hand von einzelnen Wörtern schon worum es geht.

Anfang November bin ich gemeinsam mit meinen Gastgeschwistern zum Fire Festival gegangen. Traditionell wird dieses einmal im Jahr von den Menschen im Norden Ghanas zum Gedenken an den einst verschwundenen Sohn eines Chiefs gefeiert. Damals gab es noch keine Taschenlampen und so wurde in der Dunkelheit im Busch mit Hilfe von Fackeln nach ihm gesucht. Letztendlich konnte der Sohn gefunden werden. Hier in Nalerigu treffen sich alle sobald es dunkel ist vor dem Chiefs Palast und feiern mit viel Musik, Trommeln, Gewehrschüssen, Fahnen und natürlich mit viel Feuer, dass der Sohn wiedergefunden werden konnte. Es war ein schöner Abend mit meinen Gastgeschwistern.

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Eine weitere Erfahrung, die ich mit meinen Gastgeschwistern gemacht habe und nun zu meinem Sonntag Nachmittag dazu gehört ist das Waschen am Fluss. Meine Gastfamilie hat zwar eine Waschmaschine die wir auch benutzen wenn die Wasserleitungen geöffnet sind, aber meine Gastmutter möchte dennoch, dass ihre Kinder auch am Fluss waschen können, weil sie nicht wissen kann ob sie später unter gleichen Bedingungen leben werden. Und so gehen wir nun jeden Sonntag nach der Kirche zum Fluss, wo wir etwas unterhalb von unserer Waschstelle ein Krokodil gesehen haben, und waschen unsere Kleider.

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Meine Gastgeschwister beim Waschen

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Typisch afrikanisch – hier wird alles auf dem Kopf getragen

Die Sachen werden auf dem Kopf getragen und vor allem auf dem Rückweg hat keiner Lust dazu. Denn zum einen sind die Sachen, nun nass, schwerer als auf dem Hinweg und zum anderen sind wir alle müde vom Waschen. Ich schaffe es mit ein bisschen Übung mittlerweile die Sachen den ganzen Weg zurück zum Haus zu tragen aber es ist immer noch eine ungewohnte Belastung und ich finde ich es recht anstrengend. Und dabei ist es im Vergleich zu dem was hier zum Teil auf dem Kopf getragen wird noch leicht. Normalerweise haben wir fließendes Wasser, vorausgesetzt unser Wassertank ist voll oder die öffentlichen Leitungen werden geöffnet, damit neues Wasser nachlaufen kann. Wenn dass mal nicht der Fall seien sollte müssen wir zur öffentlichen Wasserstelle, das Wasser von Hand hoch pumpen und dann zum Haus tragen. Ich selbst habe es einmal versucht und kann so einen ganz guten Vergleich zu der Wäsche ziehen und ich kann euch sagen: die Wäsche ist kein Gewicht im Vergleich zum Wasser. Bereits nach einigen Metern konnte ich nicht mehr und eine Nachbarin hat mich abgelöst. Es ist unglaublich schwer und wenn man dann wegen des Gewichts nicht ganz so sicher auf den Beinen ist schwappt das ganze Wasser über den Rand des Gefäßes. Also ich ziehe meinen Hut vor den Leuten die den ganzen Tag durch die Straßen laufen um die Ware, die sie auf ihrem Kopf transportieren zu verkaufen.

Dann habe ich gemeinsam mit meiner Gastmutter eine Hochzeitstorte gebacken. Für die meisten Leute ist es zu teuer eine Hochzeitstorte in der nächstgrößeren Stadt zu kaufen – und warum auch, wenn meine Gastmutter doch gerne für wenig Geld aushilft. Es war zwar eine Menge Arbeit aber es hat mindestens genauso viel Spaß gemacht, die vierstöckige Torte zu backen – und vor allem zu verzieren!

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Die Hochzeitstorte – ein wahres Meisterwerk 😉

Gefreut hat mich auch, dass ich mit auf die Hochzeit gehen durfte. Es war klasse, eine ghanaische Hochzeit erleben zu dürfen. Und es ist tatsächlich etwas anders als bei uns. Doch bevor ich erzählen möchte, was ich auf der Hochzeit erlebt habe möchte ich von einem Gespräch mit meinem Mampruli-Lehrer erzählen: Wie ihr euch in diesem Zusammenhang sicher denken könnt geht es um das Thema Heirat. Er hat mich nach einer meiner Unterrichtsstunden gefragt, wann ich geplant hätte zu heiraten. Ich war ehrlich gesagt etwas überrumpelt und ich denke nicht, dass Heirat etwas ist, was man planen kann. Er war etwas überrascht und meinte, dass er geplant hätte zu heiraten. Im Zuge dessen kam es zum Austausch darüber, wie es dazu kommt, dass zwei Menschen heiraten. Wie es bei uns in Deutschland ist brauche ich euch ja nicht zu schildern. Hier jedoch, heiratet man auf traditionellem Wege, lernt man sich nur auf freundschaftlicher Ebene kennen. Alles Weitere ist nicht erlaubt, solange man nicht verheiratet ist. Und dann ist es Voraussetzung, dass der Mann den Eltern der Braut eine Reihe an Geschenken macht. Traditionell sind es Kühe, Esel, viele Stoffe, Reis und noch viele, individuelle Dinge die der Mann herausfinden muss ohne die Eltern der Frau die er heiraten will direkt zu fragen. Als mein Lehrer gehört hat, dass man bei uns keine Geschenke machen muss, wollte er noch bei uns in Deutschland heiraten. Als er jedoch erfahren hat, dass es üblich ist zusammen zu leben, bevor man heiratet hat er diese Idee ganz schnell wieder verworfen. Wenn der Mann glaubt alles beisammen zu haben darf er die Geschenke überreichen. Wenn die Eltern der Frau die Geschenke akzeptieren darf er als nächstes um die Hand der Frau anhalten. Wenn ihre und seine Eltern zustimmen kann geheiratet werden. Denn hier heiratet man immer die ganze Familie – nicht nur Mann oder Frau.

Auf der Hochzeit spielt wie über all hier neben Glaube und Religion vor allem Musik und Tanz eine große Rolle.

Die Hochzeit fand draußen statt. Bevor es zur eigentlichen Trauung kommt spielen sich schon eine Reihe von Ereignissen ab. Zunächst einmal wird zur Eröffnung gebetet, danach wird gesungen und getanzt, um die Spannung und die Vorfreude auf die Braut zu steigern, welche nach dem bereits 2 Stunden vergangen waren gekommen ist. Nachdem die Braut zum „Altar“ geschritten ist wurde erneut gebetet, gesungen und getanzt. Dann kam es zu der eigentlichen Trauung und zum Austausch der Ringe. Sicherlich könnt ihr euch denken was danach kam: es wurde gebetet, gesungen und getanzt. 

Danach wurde die Hochzeitstorte angeschnitten und angestoßen. Im Anschluss wurde zum Abschluss gebetet und damit war die Hochzeit nahezu vorbei. Anders als bei uns wird danach nicht noch gemeinsam gefeiert oder gegessen. Im Gegenteil: es wird Essen zum Mitnehmen verteilt. Die ganze Nacht vor der Hochzeit wird gekocht und dann werden alle Gäste mit dem Verteilen des Essens praktisch nach Hause geschickt. Und wenn es auch kein gemeinsames Essen und keine Feier nach der Trauung gibt: Davor wird soviel getanzt, gesungen und gebetet, dass die Hochzeit trotzdem an die sieben Stunden gedauert hat. Ein sehr fröhliches Fest und ich finde es klasse dass ich die Chance hatte daran teilzunehmen!

Dass waren die aktuellsten Ereignisse. Bald sind Schulferien und dann haben wir die Chance wieder ein bisschen durch das Land zureisen und noch andere Ecken von Ghana kennenzulernen.

Abschließend gesagt bin ich zum jetzigen Zeitpunkt meines weltwärts–Freiwilligendienstes glücklich, mich für diesen entschieden zu haben. Auch wenn nicht immer alles einfach ist: Ich bin dankbar für alle Erfahrungen, die ich bisher sammeln durfte und gespannt, was mich in den nächsten Monaten noch erwarten wird!

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Der Miracle Brain School Complex – Bericht aus einer meiner zwei Einsatzstellen

Nachdem die Schulferien vor nun mehr als 2 Wochen zu Ende gegangen sind, habe ich angefangen eigenständig zu unterrichten!

Die Miracle Brain School ist gegliedert in die Lower Primary, die Upper Primary und in die Junior High. Außerdem gibt es noch einen Kindergarten. Die Lower Primary ist eingeteilt in die P1 bis P3, die Upper Primary umfasst die P4 bis P6 und die Junior High geht von Form 1 bis Form 3.

Am ersten Schultag nach den Ferien durfte ich mir sowohl Fach als auch Klasse aussuchen. Ich habe mich dazu entschieden, die P4 in Mathe zu unterrichten. In meiner Klasse sind 53 Kinder, zwischen 9 und 11 Jahren alt.

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Im Gebäude im Hintergrund mit dem blauen Dach, in dem Raum ganz rechts, unterrichte ich nun für ein Jahr die P4 in Mathe!

Mathe unterrichte ich zum einen, weil es in der Schule schon immer eines meiner Lieblingsfächer war, zum anderen, weil Mathe in jeder Sprache das Gleiche, und somit das Einfachste ist.

Als ich mir die Klasse ausgesucht habe, habe ich vor allem auf das Alter geachtet. Dass so viele Kinder in meiner Klasse seien würden, habe ich nicht erwartet. Als ich zum ersten Mal den Klassenraum betrat und den Kindern vorgestellt wurde, war ich dementsprechend ein bisschen überrascht und erst einmal baff.                                   Aber mit dem Gedanken, so viele Kinder auf einmal zu unterrichten habe ich mich schnell angefreundet.

Nach dem ich die Klassenliste angeguckt habe war mir eines jedoch schnell klar: es wird mir unglaublich schwer fallen, mir 53 afrikanische, also mir bislang zum großen Teil fremde Namen zu merken und sie dann noch Kindern, alle in Schuluniform und mit kurz geschorenem Haar, zu zu ordnen. Erfreulicher Weise sind in meiner Klasse ein paar Kinder, die ich schon vom „Feeding Center“ kenne, sodass ich wenigstens ein paar Wenige mit Namen ansprechen kann!

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Der Klassenraum in dem ich unterrichte

Die Kinder haben hier 5 Mathestunden die Woche, eine Einzel- und zwei Doppelstunden.

Es ist üblich hier, sowohl die Übungsaufgaben aus den Stunden als auch die Hausaufgaben zu benoten, sodass ich nach jeder Stunde noch eine Weile im „Lehrerzimmer“ verbringe, um die Aufgaben von 53 Schülern zu korrigieren und zu benoten. Eine zeitaufwändige Arbeit, vor allem weil die Kinder oftmals Pause oder Freistunden haben und dann während ich am korrigieren bin hinter mir stehen, meine Haare anfassen, mich Sachen fragen, mir was erzählen wollen…Alles Dinge, die das Korrigieren noch länger dauern lassen.

Dennoch finde ich es durchaus sinnvoll, die Aufgaben zu korrigieren, weil ich so gleich sehe, ob der neue Stoff verstanden wurde, oder nicht. Fragt man die Kinder während der Stunde bekomme ich immer die gleiche Antwort: „Ja Madame, wir haben alles verstanden.“. Fraglich ist, auf wie viele der 53 Kinder dass tatsächlich zutrifft.

Nach den ersten 2 Wochen eigenständigen Unterrichtens bin ich positiv überrascht!                                                 Für die Kinder ist es aufregend, nun für ein Jahr von einer Weißen unterrichtet zu werden. Hinzu kommt, dass sie wissen, dass ich sie zur Bestrafung anders als die einheimischen Lehrer hier nicht schlagen werde.

Dass führt natürlich dazu, dass die Kinder nicht immer ganz ruhig, aufmerksam und folgsam sind. Aber insgesamt sind sie disziplinierter als ich es erwartet habe und das Unterrichten klappt gut. Wenn ich den Klassenraum betrete werde stehen die Kinder immer ganz folgsam auf und begrüßen mich wie sie es einstudiert haben. Es findet ein festgelegter Wortwechsel zwischen den Kindern und mir statt:

Kinder: „Good morning Madame.“

Ich: „Good morning, how are you?“

Kinder: „We are all fine, thank you!“

Ich: „Sit down.“

Kinder: „Thank you.“

So diszipliniert sie während der Begrüßung auch immer sind, wird es sobald sie sich hingesetzt haben sofort unruhiger. Es ist dann nicht immer ganz leicht, die Kinder zur Ruhe zu bringen, sodass mit dem Unterricht begonnen werden kann. Manchmal kommen andere Lehrer vorbei und helfen mir. Einerseits ist mir dass ganz lieb, weil die Kinder dann still sind. Andererseits finde ich es nicht gut, weil die Lehrer sie durch den Gebrauch vom Stock ruhig bekommen und ich kann vor den Kindern den Lehrer nicht daran hindern, die Kinder zu schlagen oder dem Class Captain den Auftrag zu geben, alle Kinder aufzuschreiben, die noch einmal laut sind, damit er diese dann nach der Stunde bestrafen kann. Dadurch würde ich seine Autorität in Frage stellen und die Kinder hätten weniger Respekt vor ihm. Aber einverstanden bin ich mit dieser Methode ganz und gar nicht! Im Laufe der Zeit werde ich noch herausfinden müssen, welche alternativen Bestrafungsmöglichkeiten bei den Schülern meiner Klasse wirken!

Für die Kinder aus meiner Klasse bin ich Madame Charlotte. Wenn ich nun einem meiner Schüler auf der Straße begegne werde ich nicht mehr „Suleminga“, sondern „Madame Charlotte“ gerufen. Dass ist noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Durch die Anrede Madame fühlt man sich doch gleich um einiges älter.

Dass waren erst einmal die ersten Eindrücke, aus den ersten Wochen in dem Miracle Brain School Complex – einer meiner Einsatzstellen.

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Kumasi – das kulturelle Zentrum des Landes

Zum Ende der Schulferien beschlossen Teresa und ich die Zeit für einen zweiten Ausflug zu nutzen und sind für vier Tage nach Kumasi gefahren – in das kulturelle Zentrum des Landes.

Am Freitag, den 12.09.14 ging es in aller Frühe mit dem TroTro nach Tamale. In Tamale fuhren wir mit einem Taxi zur Metro Mass Bus – Station. Auf dem Weg dorthin bekam ich einen Anruf vom Post Office in Tamale, dass ein Paket für mich angekommen sei. Am liebsten hätte ich es sofort abgeholt, aber nun musste ich mich noch bis Montag gedulden, wo wir auf unserer Heimreise sowieso wieder in Tamale seien würden. Von der Busstation fuhren wir weiter mit einem Metro Mass Bus nach Kumasi. An der Metro Mass Station war vor dem Ticketschalter für Tickets nach Kumasi eine ellenlange Schlange, sodass die Tickets für den nächsten Bus ärgerlicherweise drei Personen vor uns verkauft waren. So mussten wir den nächsten Bus nehmen, der zum Glück „schon“ zwei Stunden später abfuhr. Auf dem Weg nach Kumasi und auch in Kumasi selbst merkten wir, dass wir in Richtung Volta und auch in Richtung der Küste unterwegs waren. Die Vegetation änderte sich mit jedem Kilometer mehr. Zunehmend sahen wir Palmen am Straßenrand und es wurde allgemein immer grüner. IMG_3595

Kumasi erreichten wie auf Grund dessen, dass wir den späteren Bus nehmen mussten nach sechs Stunden Fahrt leider erst im Dunkeln. Dort durften wir erneut die Erfahrung machen, dass Taxifahrer oftmals nur vorgeben zu wissen, wo der Ort ist an den man will. Später stellt sich dann heraus, dass sie noch nie davon gehört haben. So gelangten wir also auf Umwegen zum Guesthouse, in dem wir nach der Beschreibung im Reiseführer am liebsten untergekommen wären. Für seine Unwissenheit wollte der Taxifahrer dann auf einmal das Doppelte von dem Preis, den wir vorher ausgemacht hatten. Nach einer kurzen Auseinandersetzung ist er ein wenig muffelig davongebraust; ohne mehr Geld. Das Guesthouse war schon ausgebucht; im Nachhinein betrachtet war dass nur gut für uns, da es in der Gegend ziemlich laut gewesen ist. Zudem fanden wir unweit, relativ schnell eine Unterkunft in einer schönen Anlage: in dem Presbytarian Guesthouse.

Ziemlich kaputt von der langen Anreise fielen wir dann sofort in unsere Betten.

Am nächsten Morgen haben wir uns nach einem leckeren Frühstück auf den Weg zum Kulturzentrum gemacht. Auf dem Weg dorthin strömten etliche neue Eindrücke auf mich ein. Eine afrikanische Großstadt ist eben doch noch einmal etwas ganz anderes, als der Ort indem ich hier lebe.

Kumasi ist lebhaft, hektisch, geschäftig, bunt, voller Menschen, zum Teil dreckig und hässlich, aber es hat auch sehr schöne Ecken, wie beispielsweise das Kulturzentrum. Es erstreckt sich über ein weitläufiges Areal mit viel Grün und strahlt in der doch recht unruhigen Großstadt Ruhe aus.

Obwohl im Reiseführer steht, dass im Kulturzentrum die ganze Woche gleich viel los sei, machte sich doch relativ schnell bemerkbar, dass Wochenende war. Es war nicht so belebt wie wir es nach der Beschreibung im Reiseführer erwartet hätten. Dennoch konnten wir in den über das gesamte Gelände verstreut liegenden Werkstätten den hier angesiedelten Künstlern und Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Zu sehen waren Korbflechter, Maler, Schnitz- und Schmiedekunst, Töpferei und Webkunst.Zudem konnten wir einer kleinen Gruppe beim singen, trommeln und tanzen auf afrikanische Art und Weise zuschauen.

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Ein Korbflechter bei der Arbeit

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Auf diese Weise werden hier Trommeln hergestellt..

So habe ich doch noch einige Aspekte der ghanaischen Kultur kennengelernt und der Besuch hat sich, auch wenn das Kulturzentrum laut Aussagen der Einheimischen unter der Woche wohl um einiges belebter ist, dennoch gelohnt!

Am Nachmittag ging es dann auf den wohl größten Markt Afrikas: Kumasis Zentralmarkt. Der Markt umfasst wohl ca. 10 ha, was ungefähr 14 Fußballfeldern entspricht.

Schon auf dem Weg dorthin merkt man, dass es auf den Straßen immer lebhafter wird!

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Der Trubel auf Kumasis Straßen

Auf dem Markt angekommen war ich erst einmal vollkommen überwältigt von den Menschenmassen und dem gewaltigen Trubel.

In den engen Gassen zwischen den fest installierten Marktbuden ist es voll, lebhaft, vielfältig, laut, und zum Teil recht dunkel und dreckig. Für Außenstehende mag es nach einem riesig großen Chaos aussehen, aber der Markt scheint ein System zu haben, denn er funktioniert. Er ist gegliedert in Lebensmittel, Textilien, Altkleider, Stoffe, Töpferwaren, Metallwaren, Haushalts- und Gemischtwaren und in das Schneiderviertel.

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der Zentralmarkt von oben – die fest installierten Marktbuden stehen dicht an dicht

Man wird von den Menschenmassen mitgerissen. Wir wurden zu Ständen gezogen und gerufen. Ich wusste nicht, wo ich zuerst hingucken soll, geschweige denn, wo ich zuerst hingehen soll.

Bereits nach kurzer Zeit war es schon nahezu unmöglich für mich zu sagen, in welcher Gasse ich schon gewesen bin und in welcher nicht. Innerhalb von wenigen Minuten war ich schon ziemlich orientierungslos; und eigentlich sagt man mir nach, dass ich einen ganz guten Orientierungssinn habe.

Ist man erst einmal auf dem Markt vergeht die Zeit wie im Flug. Kaum hatten wir uns versehen war es schon halb sechs und die Verkäufer begannen einzupacken, da es hier immer recht früh dunkel wird.

Nachdem wir uns nun einen ersten Eindruck machen konnten wollten wir gleich am nächsten Morgen einen weiteren Versuch starten, uns im Markttrubel zurecht zu finden. Jetzt wussten wir ja ungefähr, was uns erwartet.

Nach einem leckeren Abendessen und einer kalten Dusche fiel ich auch an diesem Abend wieder erschöpft von den vielen neuen Eindrücken ziemlich müde ins Bett.

Am nächsten Morgen waren wir sehr früh auf den Beinen. Im Hof des Guesthouses lernten wir so Gladiss und ihre Mutter kennen, die Essen für eine Schule nahe unserer Unterkunft kochen. Kurzerhand halfen wir ihnen dabei, „Banku“, ein typisch ghanaisches Gericht, zuzubereiten.IMG_3628

Wie auch schon mit unserer Gastmutter hat mir das Kochen viel Spaß gemacht. Es ist einfach noch einmal ganz anders als in Deutschland und auf jeden Fall eine Erfahrung.

Danach haben wir uns erneut auf den Weg zum Markt gemacht. Unser Ziel heute waren vor allem die Stoffe. Auf dem Zentralmarkt soll es die wohl größte Auswahl an Stoffen in ganz Afrika geben. Schnell merkten wir, dass es so viele, sich in Muster und Farbe unterscheidene Stoffe gibt, dass uns die Wahl doch recht schwer gefallen ist. Die Vielfalt überwältigte mich geradezu. Am Ende habe ich mir zwei Stoffe gekauft, um daraus zurück in Nalerigu von einer Schneiderin eine Hose und ein Kleid nähen zu lassen.IMG_3643

Obwohl wir in den zwei Tagen bestimmt 7 Stunden auf diesem Markt verbracht haben, habe ich das Gefühl, nur einen Bruchteil gesehen zu haben. Und dennoch habe ich den Eindruck, dass es dort außer Flugzeugen und Schiffen fast alles zu kaufen gibt – man muss sich nur erst einmal zurecht finden und wissen wo man was bekommt.

Am späten Nachmittag, nach dem wir uns mit einem Maiskolben und Gebäck, was man hier wie noch vieles mehr an so ziemlich jeder Straßenecke bekommen kann, gestärkt hatten, zogen wir dann einfach noch ein wenig durch die Straßen von Kumasi und genossen das geschäftige Treiben der Großstadt. Den Unterschied zu meinem Heimatort Nalerigu habe ich deutlich gespürt.

Früh morgens, gegen vier Uhr, traten wir dann die Rückfahrt nach Nalerigu an. Mit einem Taxi ging es zur Bus Station, mit einem Reisebus, welcher eigentlich um 5.00 fahren sollte, gegen 6.30 weiter nach Tamale. Leider blieb der Bus bereits nach einer Stunde Fahrt schon liegen. Nacht etlichen Reparaturversuchen kam schließlich nach 2 ½ Stunden ein neuer Bus und wir konnten unsere Heimreise fortsetzen. Das Warten war fast nicht auszuhalten, weil man nicht genau wusste was passiert. Die Ungewissheit war nervenaufreibend und ich spürte eine Welle der Erleichterung durch meinen Körper strömen, als endlich der neue Bus in Sicht war.

Aber das Risiko mal liegen zu bleiben besteht nun einmal immer. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis wir auch diese Erfahrung einmal machen würden.

Später als gedacht kamen wir dann gegen 14.30 endlich in Tamale an, wo uns strömender Regen und Gewitter erwarteten. Zum Glück hatten wir in Kumasi schönes Wetter!

In Tamale mussten wir noch ein letztes Mal zum Immigration Service, wo wir endlich unser Visum abholen konnten. In diesem Moment machte sich zum zweiten Mal an diesem Tag Erleichterung in mir breit und ich merkte tatsächlich, wie eine Last von mir abfiel. Die Frage, ob ich mein endgültiges Visum rechtzeitig bekommen würde, hat mich dann doch mehr beschäftigt, als mir bewusst war!

Danach ging es noch zur Post, wo ich nach einigem Hoffen und Bangen das erste Paket meiner Eltern ausgehändigt bekommen habe! Ich habe mich riesig gefreut! Zusammen mit dem Visum ein schöner Abschluss unseres Ausflugs!

Danach ging es dann schließlich mit dem TroTro weiter nach Nalerigu. Leider mussten wir auch auf dieses wieder recht lange warten, weil in dem, welches kurz nach unserer Ankunft an der Bus Station abfuhr, nur noch ein Platz frei war. Also kauften wir die ersten Tickets für ein bisher leeres TroTro. Nun hieß es drei Stunden warten, bis dann um 19.00 endlich alle Plätze besetzt waren.

Um 23.30 kamen wir dann endlich in unserem Heimatdorf an, wo uns unsere Gastmutter im Dunkeln erwartete. Wegen des schlechten Wetters war mal wieder der Strom ausgefallen. Nach einer Dusche im Dunkeln fiel ich dann vollkommen erschöpft von der anstrengenden Rückfahrt, den vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen in den vergangenen Tagen und der Freude über Visum und Paket, mit den Gedanken schon am nächsten morgen, wo wir zum ersten Mal nach den Ferien wieder in die Schule gehen würden, ins Bett.

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Unser erster Kurztrip – ein kleines Abenteuer für sich:

Tage voller Gedanken darüber, was wir an unseren freien Tagen Sonntag und Montag unternehmen wollen lagen hinter uns, bis unser Entschluss schließlich feststand: Unser Ziel waren der Crocodiles Pond, das Slave Camp und eine Kathedrale, bei der zum ersten Mal der Versuch gemacht wurde, afrikanische Baukunst in Szene zusetzten.

Sonntag war es dann endlich so weit und es ging in aller Frühe los. Gegen 4.00 sollte der Bus nach Bolgatanga eigentlich kommen. Tatsächlich war er dann um 6.30 da, sodass wir uns erneut in Geduld üben mussten. Grund für die Verspätung war wohl sowohl die ghanaische Gemütlichkeit und das ghanaische Zeitgefühl, welches ein ganz anderes ist als in Deutschland, als auch der starke Regen am Vortag, wodurch die schlecht ausgebauten Straßen noch schwerer zu befahren sind. Dennoch: als der Bus erst einmal da war, war es eine überraschend angenehme Fahrt, da wir anders als erwartet nicht mit einem TroTro gefahren sind, sondern mit einem der Metro Mass Busse, die sich schon eher mit deutschen Bussen vergleichen lassen.

Nach vier Stunden fahrt kamen wir dann gegen 11.00 in Bolgatanga an. Doch dass war nicht das eigentliche Ziel unserer Reise. Mit einem Sammeltaxi ging es in einer halbstündigen Fahrt weiter nach Navrongo. Die Straße dorthin ist gut ausgebaut und in der Regenzeit eine schöne Strecke. Sie führt durch eine Landschaft voller schön bemalter Lehmbauten und großen Baobabs (Affenbrotbäume).

In der Nähe der Taxi-Station, recht zentral gelegen, fanden wir auf Anhieb im St. Lucion Guesthouse ein recht passables Zimmer für eine Nacht.

Dann ging es auch schon direkt weiter mit einem Taxi zum Provinznest Paga, die Grenzstadt zu Burkina Faso. Dort wollten wir uns eigentliche ein Fahrrad leihen und ins nur 2 km entfernte Nania radeln, um uns dort den alten Pikworo-Sklavenmarkt anzugucken. Die Idee mit dem Fahrrad fiel leider ins Wasser, da der Fahrradverleih geschlossen war. Eine Lösung war jedoch schnell gefunden: wir legten den Weg mit einem Motorrad zurück.

Durch das Camp selbst haben wir eine Führung gemacht. In dem Camp wurden während des Sklavenhandels zwischen 1840 und 1870 Sklaven beherbergt, bevor sie weiter nach Süden transportiert wurden. Zusehen sind die Essplätze, der Versammlungsort, der Friedhof, der Wachturm und der Folterplatz. Es war anders als ich es mir vorgestellt habe, dennoch interessant und durchaus einen Besuch wert.

Nach dem Besuch des Slave Camps sind wir wieder zurück nach Navrongo gefahren, wo wir uns zur Kathedrale durchgefragt haben, die heute die Hauptattraktion des Städtchens sein soll. Bei der Kathedrale angekommen fand ich das Gebäude, wurde sie doch im Reiseführer sehr angepriesen, recht enttäuschend. Von außen sieht sie aus wie ein recht modernes Gebäude und innen ist sie mit afrikanischen Motiven bemalt. So gingen wir nach einer kurzen Besichtigung wieder zurück ins Zentrum von Navrongo. Es war Markt und so herrschte lebhaftes Treiben auf den Straßen. Ein Markt ist hier doch immer wieder ein Erlebnis für sich und man kann sich je nach Größe mehrere Stunden darauf aufhalten. 

 

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Marktgeschehen

Viele neue Eindrücke ließen den Tag wir im Flug vergehen uns so fielen wir abends recht erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen wurden wir durch Sonnenschein geweckt. Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. Bereits gestern hatte die ganze Zeit die Sonne geschienen und der vor uns liegende Tag sollte auch sehr warm und sonnig werden. Man könnte denken, dass sich die Regenzeit dem Ende zuneigt. Aber wie wir noch am gleichen Abend feststellen sollten, trügt der Schein.

Nach dem wir also unsere sieben Sachen zusammen gepackt hatten verließen wir das Guesthouse und es ging erneut mit einem Sammeltaxi in das Städtchen Paga.

Unser Ziel heute war der Crocodiles Pond. Er umfasst zwei Teiche voller Krokodile; im Chief’s Teich gibt es mehr Krokodile, im Zenga Pool die größeren. Die Tiere sind laut Legende mit den Menschen hier verwandt, werden geschützt bis sie eines natürlichen Todes sterben und dann wie Menschen begraben. Das Fleisch der toten Tiere wird keines Falls gegessen. Trotz der engen Verbindung die die Menschen hier zu den Krokodilen haben sind sie keineswegs zahm, tun einem aber nichts solange die Wärter dabei sind. Um sie aus dem Wasser zu locken pfeifen die Wärter und schwingen ein noch lebendes Huhn, dass man am Eingang kauft. Das Arme kann einem nur leid tun, denn sein Schicksal ist besiegelt: es wird später den Echsen geopfert.

Wenn erst einmal ein Krokodil aus dem Wasser gelockt wurde, darf man es anfassen und es werden fleißig Fotos gemacht. Denn wann kommt man einem Krokodil schon mal so nahe? Ein irres Gefühl und auch ein wenig beängstigend, aber auf jeden Fall ein Erlebnis!

 

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Erste Annäherungsversuche 😉

Das Huhn wird dann der Echse geopfert, ein Festschmaus beginnt bis es im Wasser von anderen Echsen angegriffen wird, die auch etwas vom Huhn ab haben wollen.kk

 

Im Anschluss haben wir noch eine 2-stündige Achala Village Tour gemacht. Die Tour begann mit der Besichtigung des traditionellen Wohnkomplexes unseres Führers, Alhassan Yidan.

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Mit unserem Führer Alhassan

Zum Teil sind in den Hütten traditionelle Handwerkskunst ausgestellt, zum Teil werden die Hütten noch heute von ihm und seiner Familie bewohnt! Der Wohnkomplex setzt sich aus Wohnhäusern, einem Ahnenhaus, einem Geburtshaus und einem Speicher für Nahrungsmittel zusammen.

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Vor dem Geburtshaus; traditionelle Hütte im Norden Ghanas mit Bemalungen und einer traditionellen Treppe (links von mir)

Es gab viel zu sehen und man hat eine Menge über die traditionelle Lebensweise und Handwerkskunst der Menschen in Norden Ghanas erfahren.

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Wir in traditioneller Jagdbekleidung vor dem Speicher für Nahrungsmittel.

 

Im Anschluss daran begann unsere Fahrradtour.

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Zunächst fuhr Alhassan mit uns zu dem kleinen Palast des örtlichen Chief’s, welcher ein gutes Beispiel für die Architektur im Norden Ghanas darstellt. Afrikanische Bilder schmücken die traditionellen Bauten, aus denen sich der Palast zusammen setzt.

Danach ging es weiter mit dem Fahrrad durch verschiedene traditionelle Dörfer, vorbei am Zenga Pool, der die größeren Krokodile beherbergt und weiter bis über die Grenze nach Burkina Faso, wo ich sogleich meine französisch Kenntnisse testen konnte, als wir einige der Häuser besichtigen durften.

Wir haben uns bislang fremde Bäume und Früchte, zum Beispiel den Baobab (Affenbrotbaum) kennengelernt, gesehen, wie eine Lehmhütte mit Hilfe von Kuhmist renoviert wurde, Hütten unterschiedlicher, auf engstem Raum lebender Klans von innen und außen besichtigen dürfen.

 

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Renovierungsarbeiten

Trotz voneinander abweichenden Sprachen und Lebensstilen haben sie alle eines gemeinsam: die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle für sie. Aus der Milch von ihren Kühen gewinnen sie Jogurt sowie Käse und bieten diese Lebensmittel wie auch die Milch als solche zum Verkauf an. Zudem gewinnen sie aus den Samen des in dieser Region weit verbreiteten Shea-Butterbaumes ein pflanzliches Öl, welches vor allem in der Kosmetikindustrie seine Verwendung findet.

Überall wurden wir gastfreundlich empfangen und herzlich herumgeführt. Stolz zeigten uns die Bewohner ihre zum Teil recht spärlichen Behausungen. Größtenteils hauste eine ganze Familie in einer für deutsche Verhältnisse winzigen Hütte. Für uns kaum vorstellbar, dass dort alle Platz finden.

 

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Herzliche Begrüßungen und Rundgänge mit stolzen Bewohnern gehörten bei dieser Tour dazu 🙂

Schnell waren die zwei Stunden und damit die Achala Village Tour vorbei. Sie war gefüllt mir vielen neuen und traditionell (nord-)ghanaischen Eindrücken.

Damit ging ein schöner und erlebnisreicher Ausflug zu Ende. Für uns ging es am Nachmittag zurück nach Nalerigu, wo uns ein rasanter Wetterumschwung erwartete. Auf puren Sonnenschein und hohe Temperaturen folgten heftige Regenschauer, Gewitter und eine rasante Abkühlung.

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